Freitag, 18. Mai 2012

13 Stunden München - Bonn

Erstellt / Aktualisiert am: 07.03.2006

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Am Freitag den 3.3. machten sich um 12 Uhr 13 B-Mädchen und 10 B-Knaben des Münchner Sport Club mit uns beiden Betreuern und dem Busfahrer Michael auf den Weg nach Bonn. Den ganzen Vormittag hatte es bereits geschneit.

Gut gelaunt fuhren wir auf die Autobahn in Richtung Norden. Nur sehr langsam ging es vorwärts, war doch viel Verkehr. Vor allem der Schnee auf der Straße ließ keine höhere Geschwindigkeit zu. Nach nur 5½ Stunden waren wir schon in Würzburg. Bei normalen Bedingungen schafft man das in 3 Stunden. Dort war Pause für den Busfahrer angesagt und die Kinder freuten sich auf eine große Schneeballschlacht.



Hermann Ellenbeck, unser Trainer, der zu diesem Zeitpunkt bereits in Köln war, schlug wegen der chaotischen Wetterverhältnisse telefonisch ein Umkehren vor. Unschlüssig was wir tun sollten, wurde der ADAC angerufen, die gerade vorbei kommende Polizei gefragt, das Navigationsgerät des Busfahrers gecheckt und der Wetterbericht im Internet analysiert. Busfahrer und wir Betreuer
entschieden mit 2:1 zum Weiterfahren. Die Kinder jubelten. Es sollte ja bald besser werden und so sah es nach der Pause auch anfänglich aus. Doch bei Würzburg Kist plötzlich und ohne Ankündigung durch das Navi eine Totalsperre der Autobahn. Wir mussten die Autobahn verlassen. Nun hatten wir zwei Möglichkeiten, nach rechts so wie das Navi es anzeigte oder nach links wie die LKWs fuhren. Wir folgten der Technik. Doch nicht lange, denn die Hinweisschilder zeigten eher den Weg zurück nach Würzburg und wir wollten ja nach Norden. Also umrundeten wir gegen 18:30 den nächsten Kreisverkehr und folgten den Lastern. Es ging über die Dörfer durch das verschneite Franken. Immer wieder wurde Michael geprüft, traut er seinem Navigationsgerät oder seinem Gefühl und den LKWs. Oft wies die Technik genau die andere Richtung als der Verstand. Viele fränkische Ortsnamen lernten wir kennen und die Kinder schauten im Bordfernsehen bereits die dritte DVD. Zum Glück hatten wir 46 Bananen und 50 Müsliriegel an Bord und genügend zu trinken. Die Laune der Kinder war ungetrübt. Nach ganzen 1 ½ Stunden kam endlich das Hinweisschild zur Autobahn.

Je näher wir dieser kamen, desto häufiger stellte sich die Frage ob sie auch wieder offen ist. Das THW wollte unseren Bus dann nicht im spitzen Winkel auf die Einfahrt abbiegen lassen, doch Michael blieb hartnäckig. Er wollte jetzt keine Umwege mehr fahren. Außerdem verfügte unser moderner Bus über eine Lenkachse und schaffte es trotz der Bedenken der Hilfskräfte. Puuh, geschafft! Die Autobahn war, wenn auch schneebedeckt, befahrbar und verkehrsarm.

Wo waren jetzt eigentlich die Räumfahrzeuge? Sie hätten genügend Platz gehabt. Nicht ein einziges haben wir bis Bonn gesehen - wie wir im nach hinein erfuhren, haben diese gestreikt. Gegen 22:00 steuerten wir die nächste Raststätte an. Die Kinder stiegen aus und halfen gleich einmal einem im Schnee stecken gebliebenen Mercedes. Alle 23 Kinder schoben kräftig an. Der Fahrer konnte es gar nicht fassen wie viele Kinder ihm da plötzlich zur Weiterfahrt verholfen hatten.

Im Rasthaus orderten wir für alle ein warmes Abendessen. Kurzzeitig war der Chefkoch wegen der unerwartet großen Anzahl der gleichzeitig bestellten Nudelgerichte total überfordert. Betreuer und Busfahrer übernahmen daher kurzerhand den Service. Die Getränke wurden von der Chefin des Rasthauses Spessart spendiert. Gestärkt ging es nach der Pause zurück in den Bus. Inzwischen hatten wir die "Bonner" informiert, dass es wohl noch ein Weilchen bis zu unserer Ankunft dauern würde, doch diese zeigten sich hartnäckig und wollten auf uns warten.

Die Fahrt ging weiter. Die Kinder sollten sich ausruhen, so dass das Licht im Bus ausgemacht wurde. Einige schliefen, viele ruhten und ein paar wenige flüsterten mit ihrem Nachbarn. Das Ganze ging solange gut bis ein Knabe eine Pinkelpause brauchte. Schlagartig waren alle wieder wach. An Ruhe war nun nicht mehr zu denken. Stattdessen sangen die Jungs und die Mädels stimmten nach kurzer Zeit ein.



Gegen 1:45, also nach fast 14 Stunden, trafen wir endlich beim BHTV ein. Es gab ein Riesenhallo und wir verfrachteten die Kinder gleich in die uns zugewiesenen Quartiere und stießen mit den auch spät eingetroffenen Ludwigsburgern und den Bonnern auf ein schneearmes und sportreiches Wochenende an.

Man müsste meinen, dass es nach der langen Fahrt sofort still hätte sein müssen, doch zum Flüstern reichte die Energie einiger noch bis 2:30. Einer der Jungs meinte sogar, man könne ja gleich wach bleiben, doch dann übermannte auch ihn der Schlaf.



Punkt 7:30 waren die ersten wach und somit mussten wir das Angebot der Turnierleitung, das Jungenspiel auf eine spätere Uhrzeit zu verlegen, nicht annehmen. Nach einem guten Frühstück stiegen sie in ihre Hockeyklamotten und suchten die Halle auf. Das erste Spiel verloren sie leider mit 1:4 gegen die 1. Mannschaft des Gastgebers. Nun kamen die Mädchen in der Wasserlandhalle an die Reihe. Sie revanchierten sich mit 13:0 gegen das 2. Team des BTHV.



Gegen Mittag trafen sich alle im Clubhaus und nahmen dort ein gesundes Mittagessen - Salat und Pommes - zu sich. Die Mädchen hatten nun etwas Zeit und ruhten sich in ihrem Lager, dem Konferenzraum des BTHV, aus. Die einen spielten Schiffe versenken, die anderen ratschten liegend auf ihren Isomatten und ein paar wenige übermannte der Schlaf. Das Spiel gegen die Wespen ging knapp verloren, gegen Schwarz Weiß Bonn konnte ein 5:0 und gegen den BTHV1 ein 4:2 Sieg errungen werden.  Abends warteten die Jungs, die sich bereits in Schale geworfen hatten, auf die Mädels. Schließlich wollten sie zusammen essen und hatten einen langen MSC-Tisch reserviert. Es gab leckere Nudeln mit Spinatsauce und Reis mit Tomatenhähnchensauce, dazu Salat, Partysemmeln und als Nachspeise, die so manch einer der Turniergäste im bis zum Rand gefüllten Suppenteller holte, Mousse au Chocolat.

Gegen 20:30 begann die Disco. Bei guter Musik ließ sich dann auch super tanzen. Für die Betreuer gab es um 21:30 einen Empfang mit Freibier, -wein und -wasser. Es wurde ein gemütlicher Abend in lustiger Runde. Freilich war bei den Kids die Begeisterung nicht groß als gegen Mitternacht Bettruhe angesagt wurde. Allerdings dauerte es keine Viertelstunde bis nur noch ruhige Atemzüge zu hören waren.

Für Sonntag um 7:00 war für die MSC-Mädchen ein Morgenlauf angesagt. Nur sehr schwer kamen sie aus ihren Schlafsäcken, waren die Reißverschlüsse über Nacht doch eingerostet!



Die Jungs hatten wieder das erste Spiel und durften gleich zum Frühstück. Irgendwie sahen sie alle blässlich um die Nase aus. Die Mädchen saßen auch ganz ruhig auf der Mauer der BTHV-Halle um den Jungs zuzuschauen. Nachdem Kay Millner, Turnierleiter, abends zuvor schon sagte, er hätte schon oft ein Endspiel vorverlegt, fragten wir nach, ob diese Möglichkeit auch heuer bestünde. Je eher wir wieder in den Bus nach München steigen könnten, desto größer sind die Chancen noch am Sonntag dort anzukommen. Von den extremen Schneefällen in Bayern hatten wir natürlich gehört. Ohne großes Trara wurde unser Endspiel auf 13:10 vorverlegt.

Im Endspiel traten die MSClerinnen erneut gegen den BTHV1 an. Schnell stand es 1:0, doch trotz vieler Torchancen wollte kein Ball mehr ins gegnerische Tor. Dafür hatten die Bonner Mädchen eine Torchance genutzt und den Spielstand auf 1:1, auch das Spielergebnis nach regulärer Spielzeit, ausgeglichen. 7-Meter-Schiessen war angesagt. Mit 3 Treffern Vorsprung setzte sich das Gastgeberteam durch. Gleich anschließend führte Renate Schmüser, die Jugendwartin des BTHV, die Siegerehrung durch.



Schnell war nun geduscht und das Gepäck im Bus verstaut. Um 14:30 ging es wieder Richtung München. Die Kilometer verflogen in Windeseile. Wir hatten absolut freie Fahrt und kamen in München gegen 21:15, also der Hälfte der Zeit der Anreise, an. Die Kinder waren richtig traurig, sie wären gerne noch länger Bus gefahren. Richtig viel Schnee lag erst ab 20 km vor München. Der Anblick war überwältigend.

Rundherum waren alle froh, auf diesem erlebnisreichen Turnier gewesen zu sein. Der Sport stand im Vordergrund. Mit 7 Spielen a 20 Minuten war dieses Turnier vor allem für die MSC-Mädchen eine super Vorbereitung auf die Teilnahme an der Bayerischen Meisterschaft am nächsten Wochenende in Nürnberg. Für die Jungs war es ein interessanter Abschluss dieser Hallensaison.

Es war eine wirklich tolle Veranstaltung mit spannenden und guten Spielen, super Essen und vor allem hervorragenden Gastgebern. Wir werden dieses Wochenende in Bonn (und auf der Autobahn) sicher nicht so schnell vergessen.

Autor(in): Petra Lardschneider - Eingestellt von: Max Grießl