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INSIDE MSC #1: MSC-Jugend setzt ein Ausrufezeichen

Münchner Sportclub mit vier Teams bei der Hallenendrunde 2015 - Interview mit Christoph Elste und Thorben Wegener

Erstellt / Aktualisiert am: 23.03.2015


Die MSC-Jugend hat die erfolgreichste Hallensaison aller Zeiten gespielt. Alle acht Jugendteams waren bei der Bayerischen Meisterschaft, zwei Wimpel wanderten an die Eberwurzstraße und insgesamt vier Teams nahmen an der Deutschen Endrunde teil. Ein Ergebnis, dass es so im MSC noch nicht gab. Die Trainer Christoph Elste und Thorben Wegener schenkten uns im Gespräch einen Einblick in den Jugendbereich.

Hallo Chris, hallo Thorben. Herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Erfolg. Vier Teams bei einer Hallenendrunde hat es noch nie gegeben, das ist schon etwas Besonderes. Was ist Euer Fazit dieser Hallensaison?

Elste: Das ist natürlich ein großer Erfolg für den MSC und das gesamte bayerische Hockey. Obwohl es noch Luft nach oben gibt und eine Menge Arbeit auf uns wartet, haben sich die Anstrengungen der jüngeren Vergangenheit aber erstmals sichtbar ausgezahlt. Wir haben in den letzten Jahren zahlreiche Veränderungen auf und neben dem Platz angeschoben und sind positiv überrascht, dass diese so schnell gegriffen haben. Wir sind bei diesen weitreichenden strukturellen Änderungen von fünf Jahren ausgegangen. Wichtig ist, dass das jetzt kein Selbstläufer ist, sondern die Arbeit nun erst richtig losgeht.

Die Formkurve des MSC-Nachwuchses weist seit ein paar Jahren stetig bergauf. Was macht denn die derzeitige erfolgreiche Zeit aus und was sind die Kern-Bausteine für eine starke Jugendarbeit?

Elste: Das ist natürlich kein Erfolg der kurzfristig entstanden ist, sondern das Ergebnis der Arbeit vieler der vergangenen Jahre. Angefangen von Claas Henkel, der seinerzeit damit begann, den schlafenden Riesen zu wecken, über Lars Schmidt, der den U10-Bereich mit Leben gefüllt und so eine wichtige Grundlage gelegt hat, bis hin zu vielen rührigen Jugendwarten, Betreuern und „Ehrenamtlern“, die eine Menge Arbeit um das sportliche Drumherum leisten. Und nicht zu vergessen Peter Schneid, der mit seinem damaligen Team richtungsweisende Entscheidungen getroffen hat, deren erste Früchte wir jetzt ernten. Zu Beginn musste bei einigen Eltern Überzeugungsarbeit geleistet werden, dass eine Erhöhung des Trainingspensums unabdingbar ist, wenn wir den Anschluss nicht verlieren möchten. Wir trainieren mit den Leistungsmannschaften seit zwei Jahren 3-4 Mal wöchentlich, wodurch der Rückstand sichtbar kleiner geworden ist. Zudem nehmen die Leistungsmannschaften (aber auch die Verbandsliga-Teams) regelmäßig an Turnieren außerhalb Süddeutschlands teil, um sich deutschlandweit mit den besten Teams zu messen.

Ein weiteres großes Plus ist der stetig wachsende U10-Bereich. Hier wurden mit Thorben als Verantwortlichem für den C-Bereich und Elisabeth Kirschbaum für den D-Bereich weitere wichtige Schnittstellen besetzt. Dadurch ist gewährleistet, dass die Kids von Beginn an eine sehr gute Ausbildung erhalten.

Und nicht zuletzt war es wichtig, dass die FSJ-Stellen wieder besetzt wurden. Die Trainingsgruppen werden immer größer, die Betreuung an Spieltagen umfangreicher, Projekttage an Schulen wollen organisiert sein, Feriencamps, Schul-AGs, Trainingswochen – das wäre ohne die FSJler kaum zu bewältigen.

Die vier Endrundenteilnahmen waren ein toller Erfolg. Man darf aber nicht vergessen, dass zum ganz großen Wurf noch ein gutes Stück fehlt. Wo besteht noch Nachholbedarf, wenn man um einen Titel mitspielen möchte?

Wegener: Bei einigen Teams hat auch die mangelnde Erfahrung eine entscheidende Rolle gespielt. Außer der mJB war kein Team zuvor schon einmal bei einer Endrunde. Dass daher neben Cleverness, Wettkampfstabilität vor allem die Erfahrung gefehlt hat, ist nicht weiter verwunderlich. Zudem sind die deutschen Spitzenteams in der Breite besser aufgestellt. Hier müssen wir mit Blick auf Quantität und Qualität in Zukunft noch besser ausbilden. Wir müssen weiterhin mit den besten Spielern und Spielerinnen speziell und individuell trainieren, sowie uns mehrmals im Jahr mit den Spitzenteams in Deutschland bei Top-Turnieren messen.

Insgesamt steht der Süden im Vergleich zur Konkurrenz eher bescheiden da. Der fünfte Platz unserer WJA war das beste Ergebnis einer bayerischen Mannschaft bei der Endrunde. Woran liegt es, dass der Süden insgesamt seit Jahren schwächelt?

Elste: Ein wesentlicher Punkt, an dem wir leider zumindest kurzfristig nichts ändern können, sind die langen Wege. Während die Nord- und Westclubs in nächster Umgebung zahlreiche gleichwertige Gegnern haben, muss unser Nachwuchs für diese Spiele oftmals weit fahren. Die Konkurrenzdichte ist im Süden zu gering, es gibt zu wenige Spiele mit Drucksituationen. Die sehr guten Spieler müssen zu selten an ihre Grenzen gehen, was für die Gesamtentwicklung ungünstig ist. Zum Glück gibt es auch Baustellen, an denen wir als Vereine sehr wohl ansetzen können. Da wäre zum einen die fehlende Bereitschaft der Eltern und Kinder für frühzeitiges, leistungsorientiertes Hockey. Im Süden wird es daher noch dauern, bis wir genügend Spieler finden, die sich frühzeitig für „Hockey“ als erste Priorität entscheiden und sich ab dem C-Bereich darauf fokussieren möchten. Zum anderen wird im Süden das Thema „Hauptamtlichkeit“ nur langsam besser. Das Problem wurde zwar erkannt, aber die Umsetzung braucht seine Zeit, da dies oftmals finanzielle Belastungen und strukturelle Änderungen nach sich zieht. Wünschenswert wären zudem weitere Sportschulen, die ein extra Vormittagstraining für die Leistungsspieler gewährleisten.

Beim MSC ist natürlich das Thema „Hockey-Leistungszentrum“ allgegenwärtig. Uns fehlt ein zweiter Kunstrasenplatz an allen Ecken und Enden (in Zeiten des achtjährigen Gymnasiums und den zunehmenden Ganztagsschulen beginnt das Training immer später) und auch die (eigene) Halle auf dem MSC-Gelände würde Einiges erleichtern.

Jeder Jungspund träumt davon, später einmal in der Bundesliga aufzulaufen. Der MSC konnte in der jüngeren Vergangenheit nicht gerade aus dem Vollen schöpfen. Wie entwickelt man eigentlich zukünftige Bundesligaspieler und was müssen die Cracks von morgen bereit sein zu leisten?

Wegener: Es gibt einen roten Faden für die MSC-Nachwuchsarbeit, sprich alle Kinder werden nach gewissen Maßgaben ausgebildet. Dazu gehören die technische und taktische Ausbildung, welche bereits ab dem C-Bereich vom Pensum her gesteigert wird. Wichtig sind zudem homogene Trainingsgruppen, damit sich jedes Kind individuell verbessern kann. Die mentale Ausbildung - Umgang mit Drucksituationen - wird frühzeitig begonnen, um den Wettbewerbsnachteil der fehlenden Vereinsdichte auszugleichen. Und nicht zuletzt individuelles Training, welches die stärksten eines jeden Jahrgangs im technischen, taktischen, sowie athletischen Bereich erhalten.

Bezogen auf die Spieler hängt viel von der Leistungsbereitschaft der Jungs und Mädels ab. Talent alleine reicht in den meisten Fällen heute nicht mehr aus. Dazu gehört, neben den klassischen Trainingseinheiten, die Bereitschaft selbstständige Einheiten abzuspulen und das frühzeitige Erlernen von persönlichem Zeitmanagement. Wie bekomme ich Schule, Hockey und sonstige Freizeitaktivitäten unter einen Hut? Und auch wenn es keiner gerne hört: Verzichten lernen spielt eine entscheidende Rolle. Durch die zahlreichen Freizeitmöglichkeiten, die eine Stadt wie München und sein Umland bietet, bleiben viele Top-Talente auf der Strecke. Wer ganz nach oben möchte, muss lernen, andere Hobbys zurückzuschrauben.

Den sportlichen Erfolg sieht jeder, aber kaum jemand weiß, welche Arbeit dahinter steckt. Wie dürfen wir uns denn die Arbeit eines hauptamtlichen Jugendtrainers vorstellen, Chris?

Elste: Das ist natürlich nicht in zwei, drei Sätzen gesagt. Als sich der MSC vor drei Jahren entschieden hat seine Nachwuchsabteilung wieder professioneller aufzustellen, haben wir im Team quasi bei null angefangen. Wir haben mit profanen Dingen begonnen, dass zum Beispiel alle Teams ein zweites Trikot haben, oder dass ein Training mit 150 Bällen einfach mehr Sinn macht statt mit 20 Bällen. Nach und nach haben wir einen Standard entwickelt, der sich schon ganz gut sehen lassen kann, ohne dass wir uns darauf ausruhen.

Ein wichtiger Eckpunkt meiner Arbeit ist neben der Erstellung von Trainingsplänen meiner fünf Mannschaften und der Koordination des Trainingsbetriebs, die gesamte Kommunikation mit Jugendwarten, Mannschaftsbetreuern, Trainern und Co-Trainern.

Im vergangenen Jahr stand die Förderung neuer Trainertalente im Vordergrund. Hier hat sich viel getan. Mittlerweile arbeiten neben mir und Thorben noch zehn weitere, größtenteils lizensierte Trainer im Jugendbereich, die ab der Feldsaison eigenverantwortlich für die 1. und 2. Mannschaften tätig sind. Diese kommen weitestgehend aus MSC-Reihen, was für den Club und die Teams eine tolle Sache ist.

Alle arbeiten nach dem von uns entworfenen Leitfaden: Zum Tagesgeschäft gehören auch altersklassenübergreifende Koordination in Bezug auf Extratraining, Austausch mit Athletik- und Torwarttrainern sowie die Durchführung von Hockeycamps und Trainingslagern.

Gemeinsam mit Stefan Kermas (Anm. der Red.: Sportdirektor Leistungssport) sollen Abläufe im MSC optimiert werden und natürlich stehe ich auch in engem Kontakt zu den BHV-Landestrainern, den DHB-Bundestrainern und nicht zuletzt zu unseren Bundesligacoachs.

Es ist seit drei Jahren ein Full-Time-Job, der mich sieben Tage die Woche ausfüllt. Umso schöner sind die ersten Belohnungen für den Einsatz. Ich möchte an dieser Stelle aber noch einmal erwähnen, dass das alles nur so gut funktioniert, weil mir viele organisatorische Dinge von Frauke Kirschbaum, Susanne Bellenbaum, Bea Salge und den vielen Mannschaftsbetreuern abgenommen werden und wir zusammen mit dem Vorstand und der Abteilungsleitung ein sehr gutes, vertrauensvolles Arbeitsverhältnis haben.

Thorben, Du bist im MSC Chefcoach der 1. Damen. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Jugendbereich?

Wegener: Ich versuche mir durch ständigen Austausch und Unterstützung im Trainings- und Wettkampfbetrieb stets einen Überblick über den Jugendbereich zu verschaffen. Vorhandene Talente sollen dadurch perspektivisch gezielt gefördert werden und durch konzeptionelle Zusammenarbeit möchten und werden wir eine Linie in den weiblichen Bereich bekommen. Aufgrund der engen Vernetzung zwischen Bundesliga-Damen und Jugendbereich, werden besondere Talente frühzeitig erkannt, gefördert, gezielt auf gewissen Positionen ausgebildet und punktuell bereits im Jugendalter ins Training der Bundesliga-Damen eingebaut. Diese frühe Vorbereitung macht den schweren Schritt von Jugend- zum Erwachsenenhockey für die Mädels etwas einfacher.

Zum Schluss freuen wir uns noch auf einen kleinen Ausblick in die Zukunft. Vier Teams bei einer Endrunde sind toll und hoffentlich keine Eintagsfliege. Was sind die Ziele für die Zukunft in der Jugendarbeit des MSC?

Elste: Das Hauptziel der MSC-Jugendarbeit ist es, aus den eigenen Reihen so viele Spieler/innen wie möglich für die beiden Bundesliga-Teams auszubilden und natürlich auch für alle weiteren MSC-Erwachsenenmannschaften. Daher arbeiten wir weiterhin auf der Leistungs- und Breitensportschiene. Jedes Kind soll im MSC ein passendes Angebot finden, denn beide Säulen sind für den Gesamtverein enorm wichtig. Wir haben diesbezüglich große strukturelle Anstrengungen unternommen, haben in allen Alsterklassen je eine Oberliga- und eine Verbandsligamannschaft gemeldet, die von eigenen Trainern betreut werden. Die vielen Erfolge beider Seiten bestätigen uns, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

Wir danken Euch für das nette und aufschlussreiche Gespräch und freuen uns, in naher Zukunft erneut über Erfolge aus der MSC-Jungend berichten zu können. Viel Erfolg.

Autor: André Schriever - Eingestellt von: Patrick Meyer

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