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INSIDE MSC #7: Deutscher Meister ist nur der MSC

Oder: Die fetten Jahre des Münchner Sportclub

Erstellt / Aktualisiert am: 04.01.2016


Natürlich muss der Blick in die Zukunft gehen, doch ab und an darf man auch mal in der Vergangenheit schwelgen. Was haben wir für Hockeyfeste in der Hans-Fleitmann-Halle gefeiert. Unvergessen der Viertelfinal-Krimi 2006 gegen den UHC, der 300 Zuschauer an den Rande des Wahnsinns brachte und die Halle in ihren Grundfesten erschütterte. Die MSC-Herren liegen mit abgelaufener Spielzeit einen Treffer zurück. Schlussecke. Schuss Zeller. Rechts oben. Ausgleich. In der Verlängerung entschied unser heutiger Kapitän Felix Greffenius das Spiel und die 1. Herren legten den Grundstein für die spätere Meisterschaft in Duisburg. Drei Jahre zuvor standen die Weinrot-Grauen das erste Mal ganz oben bei der Siegerehrung und über 400 MSC'ler verwandelten die Bonner Hardtberghalle in ein Tollhaus. Der erste und bisher einzige internationale Titel wanderte 2004 an die Eberwurzstraße, als die Jungs den Halleneuropacup im portugiesischen Espinho gewinnen konnten. Die Meistermacher von damals hießen Andi „Coach“ Heinz und Klausi Holzmüller. In „Inside MSC“ blicken die beiden zurück auf das erfolgreichste Jahrzehnt des Münchner Sportclubs.

Hallo ihr Meistertrainer. Vielen MSC´lern seid ihr bestimmt ein Begriff, aber der eine oder andere freut sich bestimmt über eine kurze Vorstellung eurerseits. Seit wann seid ihr im MSC? Welche Stationen habt ihr in Weinrot-Grau durchlaufen? Bringt ihr Euch heute noch in den Club ein?

Andi: Ich bin vor langer Zeit durch meine Mutter zum Hockey gekommen, die im MSC bei den Damen aktiv war. Allerdings habe ich erst mit 10 Jahren angefangen und war somit ein Spätstarter. Dennoch habe ich mich ganz gut entwickelt und durfte nach der Jugend im Bundesligakader mit Akteuren wie Peter Caninenberg oder Bubu Schumann zusammenspielen. Leider hatte ich dann eine schwere Hüftverletzung, so dass ich lange ausfiel und den Aufstieg in die 1. Feld-Bundesliga verpasste. Ich bin schon etwas stolz darauf, dass ich mich zurückgekämpft und in der 1. Liga ein paar Einsätze bekommen habe. Ein weiteres Karrierehighlight war die Aufstiegsrunde zur 1. Hallen-Bundesliga, auch wenn es final für uns nicht gereicht hat. Später war ich Trainer der 1. Herren und wir haben mit einer sehr jungen Mannschaft – Generation Ammer, Holzmüller, Meyer – den Klassenerhalt geschafft. Mein Comeback an der Seitenlinie durfte ich Anfang der Nullerjahre feiern und nach dem Klassenerhalt im ersten Jahr, folgte der Meistertitel in der Halle. Heute bin ich regelmäßig bei den Bundesligaspielen der Damen und Herren anwesend und zudem Mitglied im Club der Ehemaligen. Und was ich an dieser Stelle noch loswerden möchte: Ich bin felsenfest vom Aufstieg der 1. Herren überzeugt und bei den Damen ist es an der Zeit, dass sich die Mädels nicht mit einer Endrundenteilnahme zufriedengeben. Mädels ihr seid stark genug, um endlich den Blauen Wimpel zu holen.

Klaus: Hallo? Einmal MSC – immer MSC! Ich bin seit 1974 im Club und habe, wie fast alle seinerzeit, von Karli Roth das Hockeyspielen beigebracht bekommen. Nach den ersten fünf Jahren – wir verloren fast alle Spiele zweistellig – drehten wir den Spieß um und wurden langsam zu einer festen Größe in Bayern. Dank unseres Lieblingskonkurrenten Rot-Weiß München zahlte sich das aber leider in wenig zählbaren Titeln aus. Größter Erfolg war 1984 das Erringen des deutschen Vizemeisters mit der B-Jugend. Durch eine Sondergenehmigung hatte ich 1983 mit fünfzehn Jahren meinen ersten Erstligaeinsatz bei den Herren. Angefangen als linker Verteidiger, spielte ich mich langsam über alle Positionen nach vorne, bis ich die letzten Jahre als Mittelstürmer agierte und meine Bundesligakarriere bei den 1. Herren 1997 beendete. Nachdem Familie und Beruf immer wichtiger wurden und Zeit in Anspruch genommen haben, endete meine aktive Laufbahn schließlich bei den 2. und 3. Herren. Das erste Mal an der Seitenlinie stand ich 1996-1998 als Herrentrainer und seit 2005 immer mal wieder bei Damen und Herrenmannschaften als Trainer, Co-Trainer bzw. zur Zeit als Aushilfs-Trainer bei den 2. und 3. Damen sowie als Springer bei verschiedenen Jugendspielen.

Wir fangen mal chronologisch an. Andi, du hattest damals wirklich einen verrückten, aber sportlich extrem starken Haufen. Trainer sprechen oftmals von Knackpunkten, die auf dem Weg zum Titel entscheidend waren. Wann ist euch bewusst geworden, dass der ganz große Wurf wirklich gelingen kann?

Andi: Das war zunächst ein stetiger Prozess. Der bereits erwähnte Klassenerhalt mit den ganzen jungen Wilden war der erste Schritt. Dann wurde die Mannschaft immer stärker und mit Christoph Eimer hatten wir einen absoluten Leader in unseren Reihen. Der Knackpunkt war für mich das Spiel in Frankenthal. Wir waren fast die komplette Spielzeit nur zu viert auf dem Feld (Anm. d. Red.: Rote Karte für Justus Scharowsky nach sieben Minuten) und weite Teile nach Zeitstrafen sogar nur zu dritt. Dennoch haben wir dort einen Punkt geholt und ich habe gemerkt, wie stark diese Truppe wirklich ist. Nach der normalen Runde waren wir Tabellenerster und ich habe der Mannschaft gesagt „Jetzt muss uns erst einmal jemand schlagen“. Wir waren voller Selbstbewusstsein, mental auf der Höhe und hatten spielerisch eine riesige Qualität.

Was ist dir von der Endrunde in Bonn in Erinnerung geblieben? Der Einlauf in die proppenvolle Halle? Die gehaltene Ecke im Finale kurz vor dem Ende? Das kollektive Ausrasten nach der Schlusssirene?

Andi: Natürlich überstrahlt der Moment des Triumphs alles andere. Es war unglaublich als die Schlusssirene ertönte, die Mannschaft und der Staff sich in den Armen lagen und innerhalb von Sekunden das Spielfeld von unseren Fans bevölkert wurde. Über 400 MSC´ler sind damals mit nach Bonn gefahren und haben aus der Endrunde wahrlich ein echtes Heimspiel gemacht.

Uns wurde zugetragen, dass es die Rückfahrt in sich hatte. Unter anderem ließ eine Raststätte nach Ankunft des mit Fans und Spielern besetzten Busses die Sicherheitsgitter runter. Gibt es Teile der Fahrt, die es durch die Zensur schaffen und die du hier erzählen kannst?

Andi: Die Rückfahrt war der absolute Wahnsinn. Etwas Ähnliches habe ich weder davor, noch danach erlebt. Leider kann ich die Frage nur kurz beantworten, weil es tatsächlich nicht viel gibt, was es durch die Zensur schafft. Unvergessen war das schallende Gelächter im Bus, als beim zweiten oder dritten Raststättenstop die Angestellten bei der Einfahrt des Busses die Rollgitter runterließen. Zum Glück haben sich ein paar findige Mitglieder der Busbesatzung doch Zutritt verschafft und versorgten die Ausgesperrten mit Nachschub.

Und auch die Meisterwoche im Anschluss ließ keine Wünsche offen. Laut Augenzeugenberichten hatten es die folgenden Tage in sich…

Andi: Oh ja. Der Empfang im Club war, wie man sich sicher vorstellen kann, bombastisch. Die 1. Damen konnten uns aufgrund eines unwichtigen, nicht zu verlegenden Spiels leider nicht nach Bonn begleiten und leisteten im Clubhaus ganze Arbeit. Die nächsten Tage haben wir uns jeden Vormittag bei einem Teammitglied zum Weißwurstfrühstück getroffen, den Tag gemeinsam verbracht und sind abends in die Milchbar gegangen. Nach der Woche war ich fix und fertig. Aber sehr, sehr glücklich.

Nach dem Europacup 2004 folgte die „Philipp Steffen Gedächtnissaison“, in der leider kein Titel an Land gezogen wurde, bevor der Blaue Wimpel 2006 erneut nach München durfte. Klausi, wie hast du das erfolgreichste Trainerjahr deiner Karriere erlebt?

Klausi: Der Einstieg war ziemlich verrückt. Nach dem wir das erste Feld-Punktspiel 1:4 gegen Stuttgart verloren haben, kam die Bild-Zeitung und fragte unverblümt, wie lange ich denn noch Trainer im MSC bleibe. Es dauerte noch drei, vier Spiele, bis wir den Gegnern nicht nur am Tresen, sondern auch auf dem Feld das Fürchten lehrten. In der Meistersaison war die Mannschaft derart auf den Titel fokussiert, dass in jedem Training „die Post“ abging. Die Südrunde beendeten wir bei nur einem Unentschieden souverän auf Platz 1. Bis auf die Zitterpartie im Viertelfinale gegen den UHC, waren die Finalspiele dank eines ausgeglichenen Kaders, einer sensationellen Abwehrleistung und einem Chrissi Zeller als Top-Stürmer nicht sonderlich nervenaufreibend – meinten zumindest Außenstehende. Mit dem DM-Titel schloss sich für mich persönlich der Kreis als Herrentrainer, nachdem wir 1998 in derselben Halle das Finale gegen Bad Dürkheim unglücklich verloren.

Die zweite Meisterschaft war für Ur-MSC'ler natürlich etwas ganz Besonderes, weil man sich damit in der Titeltabelle vor den damaligen großen Rivalen Rot-Weiß München schieben konnte. Im Gegensatz zu 2003 galt der MSC diesmal allerdings bereits im Vorfeld als ein Favorit auf den Titel. Gab es bei euch ebenfalls ein Erlebnis, welches du als Meilenstein bezeichnen würdest?

Klausi: Nach dem Unentschieden in Heidelberg setzten wir uns mit der Truppe zusammen. Ab diesem Zeitpunkt spielten wir als Mannschaft und schossen als Team die Tore. Nach dem Sieg im Viertelfinale gegen den UHC in unserer „Hood“ war das Selbstvertrauen so groß, dass wir alle Vorgaben bis zum Schlusspfiff des Endspiels exzellent umsetzen konnten.

Kannst du dich noch an die besonderen Momente der Endrunde in Duisburg erinnern?

Klausi: Da gab es einen negativen und mehrere positive. Negativ, dass mir während des Halbfinals das Auto aufgebrochen wurde. Positiv, die erste Halbzeit im Finale, wo wir erst nach Ablauf der regulären Spielzeit das erste Gegentor hinnehmen mussten. Und dann natürlich die Siegerehrung. Mit der Mannschaft im Gold-Fussel-Regen auf dem Podium zu stehen und den MSC-Fans den Wimpel entgegenzustrecken war einmalig und erzeugt immer noch Gänsehautfeeling.

Stichwort „Feiermarathon“. Wenn wir uns den damaligen Kader anschauen, waren 2006 keine Kinder von Traurigkeit Teil der Meistertruppe. Was habt ihr für ein Programm nach dem Triumph gefahren?

Klausi: Unser „Athletik-Guru“ Bob hatte im Vorfeld den entscheidenden Satz gesagt: Wenn Ihr Deutscher Meister werdet, geht die Rechnung in der Milchbar die nächsten zwei Wochen auf mich. So schnell und nachhaltig hat die Mannschaft selten eine Ansage des Staffs umgesetzt …

Bei all den Highlights, was war der Moment eurer Trainerlaufbahn, den ihr nie vergessen werdet?

Andi: Das Highlight meiner Trainerkarriere war ganz klar der Meistertitel. Und was mich sehr freut ist, dass mich die Jungs von damals heute immer noch „Coach“ nennen.
Klausi: Eindeutig der Gewinn des MSC Flip-Flop-Turniers mit der 2. MSC-Mannschaft und dem Jubelsturm der „kommenden“ Stars.

Der Bau des neuen Leistungszentrums steht bevor und damit verbunden eine neue Heimat für das MSC-Hallenhockey. Viele von uns hegen die Hoffnung, dass die Bundesligateams nach Jahren der Dürre dann endlich wieder Heimspielstimmung genießen dürfen. Ihr habt die alte Halle noch miterlebt und könnt dem Nachwuchs vielleicht erzählen was damals los war und auf was wir uns wieder freuen dürfen.

Andi: Die eigene Halle war schon etwas ganz Besonderes. Die Tribünen waren direkt am Spielfeldrand und durch die enge Bauweise konnten die Zuschauer oftmals richtige Heimspielstimmung erzeugen. Ich würde mir wünschen, dass das in der neuen Halle wieder der Fall ist und die kommenden Bundesligateams die tolle Atmosphäre genießen dürfen, die wir damals hatten.

Klausi: Das wird wieder unsere Halle! Weg aus Allach, wo die Zuschauer drei Meter über den Spielern sitzen und die Halle für das Münchner Hockey einfach zu groß ist, um richtige Stimmung aufkommen zu lassen. „Echte“ Heimspiele auf unserer Anlage mit Zuschauern direkt am Spielfeldrand, Spannung hautnah und Vorbildern zum Anfassen für alle MSC-Youngster, die den Traum „Bundesligahockey“ selbst einmal wahr werden lassen wollen.

Final haben wir noch eine Frage an dich Andi. Deine Besprechungen waren bekanntermaßen legendär. Den Herren ist weder davor noch danach die Anatomie des Herzens erklärt worden, noch hat sich außer dir je ein Trainer mit den Laufwegen der Balljungen befasst. Der Starkult ging sogar so weit, dass Philipp Weinhold als perfekter Imitator beinahe eine „Hau di aussi Tour 2003“ gestartet hätte. Und jetzt wird endlich das jahrelang bestens gehütete Geheimnis gelüftet: Woher hattest du die Ideen für diese Besprechungen?

Andi (lacht): Ja das stimmt. Philipp konnte meine Besprechungen aus dem Effeff. Am Anfang war es mir gar nicht so bewusst, dass meine Ansagen für so viel gute Laune sorgten, aber ich bin ein Mensch, der auch über sich selber lachen kann. Zumal es, wie man sieht, auch was gebracht hat. Ich hatte das Glück in verschiedene Bereiche des Sports reinschnuppern zu dürfen (u.a. Fußballtrainerlizenz) und habe mir daraus und aus anderen Freizeitaktivitäten Teile für meine Motivationsansprachen rausgezogen. Das war für die Spieler wohl etwas Neuland (lacht wieder).

Es ist schön, dass ihr dem MSC, in welcher Form auch immer, bis heute erhalten geblieben seid. Ihr habt eine grandiose Epoche mitgeprägt und werdet damit immer ein ganz besonderer Teil der MSC-Geschichte sein. Aber vermutlich wärt auch ihr nicht böse, wenn eure erfolgreiche Zeit irgendwann in Zukunft noch einmal getoppt wird. Danke für Eure Zeit. Haizuru und bis die Tage an der Eberwurzstraße.

Autor: André Schriever - Eingestellt von: Patrick Meyer

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