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INSIDE MSC #12: An die Hacke, neue Attacke

Interview mit Herrentrainer Harry Fritsche

Erstellt / Aktualisiert am: 26.08.2018


In der freien Wirtschaft spricht man von etwa 100 Tagen, bis die Einarbeitungszeit eines neuen Mitarbeiters beendet ist und das Unternehmen einen Nutzen aus dem neuen Kollegen zieht. Die Probezeit ist daher meist auf 180 Tage beziffert, also etwa die Hälfte der Zeit, die der neue Herrentrainer Harry Fritsche an der Eberwurzstraße weilt. Im Gespräch mit Harry werfen wir einen Blick zurück auf das erste Jahr MSC.

Vor einem Jahr hat es Dich nach München verschlagen. Angekommen in der neuen Heimat? Konntest Du Dich an das viele Grün bereits gewöhnen und hat sich die frische Luft positiv auf Deinen Organismus ausgewirkt?

Das Grün drumherum und der blaue Himmel waren sicherlich die größte Umstellung, denn an alle wichtigen typisch bayrischen Vokabeln habe ich mich schnell gewöhnt. Aber was sich vor allem positiv auf meinen Organismus ausgewirkt hat, ist der familiäre und herzliche Umgang, der im Club herrscht. Das hat die Eingewöhnung leicht gemacht und man darf ohne Übertreibung sagen, dass ich mich unfassbar wohl in diesem Club fühle!

Der Münchner an sich ist bekanntlich sehr stadtverliebt und findet selbst die Mae West Skulptur am Effnerplatz unbeschreiblich schön. Hast Du als „Zuagroaster“ eine ähnliche Meinung?

Ich habe den Münchner nicht nur als sehr „stadtverliebt“ kennengelernt. Aber ehrlicherweise ist der Münchner auf allen Ebenen völlig zu Recht in der nördlichsten Stadt Italiens ständig im Urlaubsfeeling. Da muss man sich – in der Sonne sitzend – schon manchmal kneifen.

Gibt es Harrys Lieblingsecken in der (bayerischen Landes-) Hauptstadt, mal abgesehen vom Bergwerk im Deutschen Museum?

Ja, die gibt es tatsächlich. Sowohl kulinarisch, als auch kulturell und traditionell. Aber die verrate ich aufgrund der hohen Reichweite von MSC-Inside nur im persönlichen Gespräch oder bei der Stadtführung.

Es lässt sich in Deiner Position nur schwer vermeiden, den sportlichen Aspekt zu beleuchten. Als Aufsteiger war das Saisonziel Klassenerhalt, welches ihr mit der „DFB-Pokal-Mentalität“ erreichen wolltet. Fazit: Pokal-Aus in der 1. Runde gegen Berlin. Wie motiviert man sich neu, wenn man das eigene Vorhaben gleich nach einem Spiel in die Tonne werfen kann?

Man motiviert sich gar nicht, denn es hat ja auch keinen Sinn mehr. Aber wenn man schon am 1. Spieltag alles in die Tonne werfen kann, sollte man jeden Stein umdrehen. Daher war es uns auch ein ganz wichtiges Anliegen, den 2. Kunstrasen an der Eberwurzstraße zu bekommen, um nicht mehr an das Scheitern erinnert zu werden.

Spielerisch sah es oftmals super aus, was Deine Jungs auf die Wiese gezaubert haben. Nur die Tore wollten dabei nicht fallen. Könnte man sagen, dass die direkten Duelle am Ende den negativen Ausschlag gegeben haben?

„Waldi, Du sitzt jetzt hier locker auf dem Stuhl, hast drei Weizenbier getrunken und redest von einem immer tieferen Tiefpunkt. Ich kann diesen Käse nicht mehr hören.“ Mich wundert die messerscharfe Analyse der MSC-Inside-Redaktion, denn dafür war sie bislang wirklich nicht bekannt. Aber umso schöner, dass man auch hier große Entwicklungsschritte gemacht hat.

Darauf kommt es aus meiner Sicht tatsächlich an: Wir haben den deutschen Meister geschlagen! Dass ist uns in der Außendarstellung viel wichtiger und hat gezeigt, dass die Eberwurz-Arena zum Fürchten ist und wir wieder ein T-Shirt mehr in unseren Schrank hängen können: „Deutscher Meister-Besieger“.

Ab August zeichnest Du zusätzlich als sportlicher Leiter für die Nachwuchsförderung im MSC verantwortlich. Wo wird das hinführen?

Wir werden in unserer Ausrichtung ein Leuchtturm in Bayern werden. Dabei auch mutig mal „out-of-the-box“ denken und vor allem immer das „Warum?“ hinterfragen. Wenn dann noch der Wind gutsteht, könnte das Ding durch die Decke gehen. Richtig gute Trainer im Jugendbereich, eine unfassbar engagierte MSC-Familie und ein Umfeld, welches immer offen für neue Ideen ist: Man könnte meinen, hier in Bayern ist die Welt noch in Ordnung.

Viele im MSC rühmen sich mit den Jugenderfolgen der vergangenen Jahre. Kritische Stimmen halten dagegen, dass im Club zu schnell Zufriedenheit herrscht. Wo liegt die Wahrheit?

Ich glaube, dass es wichtig ist, den Rucksack einer langjährigen Geschichte abzulegen, ohne dabei die eigene DNA zu verlieren. Das übergeordnete Ziel muss sein: Auf dem Nährboden der Vergangenheit, etwas Zukunftsorientiertes mit eigener Hände Arbeit aufzubauen. Deshalb liegt wie so häufig, die Wahrheit in der Mitte.

Die Inside MSC-Redaktion ist regelmäßig Zaungast bei Heimspielen der Jugend, der Damen und der Herren. Man kann uns daher ein gewisses Fachwissen nicht absprechen. Endlich mal wieder ein blauer Wimpel im Jugendbereich sowie drei Talente pro Jahrgang für die Bundesligateams – das sind unsere Ziele für die nahe Zukunft. Können wir davon ausgehen, dass diese Erwartungen bis zur nächsten Feldsaison erfüllt werden?

Ja, ich glaube man sollte die Messlatte tatsächlich so hoch und mit der vorhandenen „Expertise“ auch regelmäßig den Finger in die Wunde legen. Denn unter Druck entstehen Diamanten. Aber bis wir überhaupt Platz haben, einen blauen Wimpel im Clubhaus aufzuhängen, müssen wir die ganzen bayrischen Wimpel entfernen. Und das kann etwas dauern. Die drei Talente pro Jahrgang sehe ich da schon kurzfristiger. Denn es gibt richtig viele gute Mädels und Jungs, die sowohl für die Bundesligateams spannend sind, als auch für unsere anderen Erwachsenenteams eine Verstärkung sein können. Wir sollten es uns als Aufgabe machen, dass es kein gutes Zeichen ist, wenn an der Wand im Clubhaus zwar viele Wimpel hängen, die zweiten und dritten Mannschaften aber zu wenig Spieler haben.

Genug vom Sport. Unsere treuen Leser wünschen sich natürlich mehr über die Person Harry Fritsche zu erfahren. Deinen Einstieg ins Showgeschäft hattest Du in der Sport1 Serie „Hockey Endrunde der Herren“. Deine Metaphern „Six for nix, steil ist geil, an die Hacke neue Attacke, ohne quer wird schwer und das Abenteuerland" kennt jetzt ganz Hockeydeutschland. Wie lange hat es gedauert bis Du das Vokabular für diese Rolle gelernt hattest?

Das hat schon eine Vorbereitung von elf Jahren Trainerdasein mit sich gebracht. Und an dieser Stelle gehen die Grüße an den Gewinner des „Phrasen-Bingo-Spiels“, denn in Kleinigkeiten bin ich ja großzügig. Ich habe mir sagen lassen, dass – in Vorbereitung auf die Übertragung auf Sport1 – einige Personen sich kreative Bingo-Karten überlegt haben.

In den sozialen Medien wurde Dein Auftritt heftig kritisiert. So schrieb Hockeyexperte Frank L. aus W.: „Grundgütiger was ist dieser Fritsche für ein Schlauschwätzer! Unfassbar schlecht! Hat das Geld für Büdi Blunck oder Mo Fürste als Co-Kommentator nicht gereicht?“ Wie geht man mit dieser Kritik um?

Ich habe mich da riesig über diese Meinung gefreut, denn es zeigt ja, dass der Hockeysport selbst bis zu Frank L. aus W. reicht und auch dort mittlerweile auf einen Fernseher zurückgegriffen wird. Ich glaube so eine Entwicklung tut unserer Hockeyfamilie einfach gut.

Vielen Dank Harry, dass Du Deine knapp bemessene Zeit geopfert hast. Und natürlich viel Erfolg bei Deinen weiteren Aufgaben.

 

Eingestellt von: Patrick Meyer

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