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1920 bis 1933

Den alten Griechen zufolge ist der Krieg der Vater aller Dinge. In unserem Fall konnte er diesem Ruf nicht gerecht werden, er zerstörte vielmehr (fast) alles. Den aus dem Krieg heimkehrenden Helden erging es so, wie fast ein halbes Jahrhundert später den US-Soldiers nach Vietnam. Der einstige Großverein MSC zerfiel, ehemalige Abteilungen machten sich selbständig wie die Bayern oder schlossen sich anderen Clubs an, wie die Leichtathleten der Turnerschaft Jahn. Die überlebenden Alten widmeten sich vorwiegend dem Kartenspiel und fanden nicht mehr die Kraft, sich um Neuaufbau und Fortbestand des alten MSC zu kümmern. So blieb es einer Gruppe von jüngeren Leuten vorbehalten, zusammen mit einigen aufrechten Alten im Jahr 1920 den "Münchner Sportclub für Tennis und Hockey" zu gründen, der ansonsten unverändert die Tradition fortführte. Man traf sich zum Clubabend regelmäßig in der Ceylon-Teestube in der Maximilianstraße, schon zu Pfingsten 1920 gab es die erste Hockeyreise nach Würzburg und anläßlich eines Propagandaspiels in Augsburg gegen Jahn vor 1000 Zuschauern konstatierte die lokale Presse, das dies die zwei stärksten bayerischen Mannschaften seien.

Der Zusammenhalt unter den Mitgliedern muß damals großartig gewesen sein. Man traf sich nach dem Training mehrmals wöchentlich in der Teestube oder ab 1924 im Nürnberger Bratwurstglöckerl, machte gemeinsame Ski- und Bergausflüge und spielte daneben größtenteils auch Tennis im Club. Ich darf mich auf das Hockeygeschehen beschränken, über Tennis wird aus berufener Feder an einer anderen Stelle dieser Schrift berichtet. Meisterschaftsspiele im heutigen Sinn gab es damals noch nicht, als starker Gegner war in München neben Jahn nunmehr der HC Wacker dazugekommen, gegen beide gab es eher mehr knappe Niederlagen als Siege. Stark war der MSC aber auf Reisen zu den großen Oster- oder Pfingstturnieren beim UHC Hamburg, LSC Leipzig, bei Frankfurt 80, oder in Westdeutschand, wo man häufig ungeschlagen zurückkehrte. Wie die Chronik berichtet, kamen von solchen Reisen die Letzten rund eine Woche nach Abreise zurück.

Auf einer dieser Reisen soll dem Vernehmen nach der so teure Haizuru in einem Eisenbahngepäcknetz liegengeblieben sein. Andererseits wurden besonders zu Beginn der Zwanziger in München zusammen mit einigen anderen Clubs, die Internationalen Münchner Pfingstspiele veranstaltet. Nicht allzuviel findet sich über das Damenhockey, das seit 1911 im MSC gepflegt wurde. Von den ersten Herren wurden sie liebevoll als "unsere Bamberlmannschaft" bezeichnet. Aus anderer Quelle wissen wir aber, daß bereits in den Jahren 1919 bis 1923 Mixed-Turniere in Dresden, Würzburg, Mannheim, Frankfurt und Heidelberg besucht wurden, und daß in der Folgezeit mehrere Reisen nach Zürich zu den Red Socks stattfanden. Bei den großen Turnierbesuchen der Herren waren auch die Damen meistens dabei und einige brachten es sogar zu Auswahlspielerehren, als beste Anni Zell, unsere spätere Mutter des Clubs, "Tante Anni" Wilde.

Herausragender Spieler dieser Zeit war Pauli Zell als Mittelläufer. Er hält heute noch den Clubrekord im Studium, nämlich 33 Semester ohne Examen. Diese Einstellung verrät auch, warum er, der vielfach in die Süddeutsche Auswahl berufen wurde, keine Einladung zur Nationalelf erhielt. Das gesellige Feiern gehörte halt auch damals schon zum MSC wie Hockey und Tennis. Eine überlieferte Geschichte von Pauli soll noch erzählt werden. Eines Tages begehrte ein Amerikaner namens Broons die Aufnahme in den Club. Dazu muß man wissen, daß der langjährige Schriftführer des Clubs Konsul Schorss hieß. Als auf einer Vorstandssitzung über die Aufnahme von Broons abgestimmt wurde, meinte Pauli trocken: "Wenn ma an Schoas ham, kemma an Brunz a aufnehma!" Weitere Stützen, deren Namen noch in Erinnerung sind, waren die Brüderpaare Neumeyer und Tambosi, der langjährige Vorstand Fritz Adolf Greiner, Ferdl Schlemmer, Laves, beide Melchior sowie Wilken "Mausi" v. Ramdohr. Gleichberechtigt mit den sportlichen Ereignissen, über die übrigens in der Presse in einem beneidenswerten Umfang berichtet wurde, wenn auch in einem heute nicht mehr lesbarem Stil ("in rasendem Tempo wogte das Spiel hin und her, der linke Verteidiger war ein Totalversager"), ging das gesellige Leben einher. Private Tanztees wechselten sich mit offiziellen Feierlichkeiten ab. Aus dem Jahr 1926 ist eine gedruckte Einladung zu einem MSC-Ball im Deutschen Theater erhalten, bei dem Balltoilette bzw. Frack oder Smoking vorgeschrieben waren. Die Frontseite der Einladung zierte bereits das uns bestens bekannte Bild der beiden MSC-Tennis- und Hockeyspieler im Sportdress. Gemalt hatte es Erich Frankenberg, ein Berliner Kunststudent vom BHC, der von 1920 bis 1924 im MSC spielte. Vor etwa 20 Jahren tauchte Erich Frankenberg hochbetagt in unserem jetzigen Clubhaus auf und war zu Tränen gerührt, als er sein Werk noch erhalten und geehrt vorfand.

Sehr streng waren die Bräuche des Hockeyverbandes auch damals schon. So wurde Adi Kulzinger, späterer DHB-Präsident, der als Student damals beim MSC spielte, drakonisch für drei Monate gesperrt, weil er ohne offizielle Genehmigung mit einer österreichischen Mannschaft in Spanien ein Turnier gespielt hatte.

Mit Schluß des Jahres 1926 war der Eifer im Führen eines Clubbuchs offensichtlich erschöpft. Über die beiden folgenden Jahre ist kein einziger Eintrag enthalten, erst im November 1929 geht es weiter. So wird von einem Hockeyspiel in Bad Tölz (!) berichtet, von Reisen nach Jena, zum Osterturnier 1930 von Frankfurt 80 und, noch ausführlicher von zahllosen heiteren Zusammenkünften in der Bratwurstglocke und beim Franziskaner. Mit ausführlichen Berichten über die Reise zum 18. Osterturnier des UHC Hamburg im Jahr 1931 endet der Band und läßt uns, was die nähere Zukunft brachte, in ziemlicher Ungewißheit zurück.

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