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1933 bis 1945

Wie schon gesagt, muß ich für diese Zeit weitgehend auf Registergerichtseintragungen und Protokolle von Generalversammlungen zurückgreifen. Auch die liegen uns erst vor, seitdem es Michi Nahr gelungen ist, sie unerwartet den Archiven des Registergerichts zu entreißen. Daraus ist zu sehen, daß die in den Zwanzigern erfolgreichen Aktiven wie Mausi von Ramdohr, Pauli Zell, Dr. Ferdl Schlemmer und Sigi Neumeyer, um nur einige zu nennen, auch in der Vorstandschaft des Clubs auftauchen. Sportlich die herausragende Tatsache war wohl die Berufung von Fredi Gerdes in die Olympiamannschaft von 1936, wo er sich als linker Läufer beste Kritiken verdiente, wenngleich das Endspiel gegen die damals unbezwingbaren Inder 1:8 verlorenging. Gerdes war Eigengewächs des MSC, sein Vater taucht bereits 1920 im Clubvorstand auf. Während des Krieges wechselte er aus verständlichen Gründen zu Jahn, wo er von dem Hockeyenthusiasten Dr. Schmitz, Vorstand einer großen Münchner Privatbank, ebenso wie Karli Wild und einige andere, beruflich gefördert wurde. Bei vielen Turnierbesuchen in Konstanz, wo er Spielbankdirektor war, haben wir ihn in den letzten Jahrzehnten oft noch wiedergetroffen.

Von einer sehr starken Juniorenmannschaft aus dieser Zeit weiß man auch noch, deren Hauptprotagonisten damals Karli Wild, der spätere Eishockey-Rekordnationalspieler sowie unser unvergessener Siegfried "Biwackerl" Überreiter, dem man eigentlich ein eigenes Kapitel widmen müßte, waren. Eine erfolgreiche Reise dieses Teams zu einem Turnier in Prag im Jahr 1935 ist mündlich überliefert. Bekannt ist aber auch die traurige Tatsache, daß allein aus dieser Mannschaft acht nicht aus dem Krieg zurückkamen.

Daß eine neue, wenn auch keine gute Zeit begonnen hatte, geht schon aus dem Vergleich der GV-Protokolle Januar 1933 und März 1934 hervor. Während im ersteren der 1.Vorsitzende Konsul Albert Schorss, die Versammlung eröffnete, wurde schon ein Jahr später Wilken von Ramdohr zum "Clubführer" gewählt. Die Versammlung schloß mit dem Aufruf des neuen Clubführers zur Unterstützung und Mitarbeit im Sinne unseres Führers. Alle offiziellen Schreiben waren von da ab mit "Heil Hitler" unterzeichnet, die Gleichschaltung war auf allen Ebenen vollzogen und man mußte offensichtlich mit den Wölfen mitheulen.

Aus dem 33er Protokoll ist übrigens interessant, daß auf dieser Versammlung die Wiedereinführung des alten Clubnamens "Münchener Sportclub e.V." einstimmig beschlossen wurde. Der alte MSC, bis dahin immer noch als Karteileiche im Vereinsregister, war, ohne jemals noch eine Aktivität entfaltet zu haben, im Register gelöscht worden, der Interimstitel "MSC für Tennis und Hockey" hatte ausgedient.

Immer häufiger wechselte der Vorstand, besonders nach Kriegsbeginn, als die Männer an die Front mußten und es liegen verzweifelte Schreiben von Irmgard "Rotkraut" Rehm, die damals Hockey-Damenwartin war und den Clubführer vertrat, an das Registergericht vor, in dem sie um Fristverlängerung bittet, weil an die Front gesandte Schriftstücke, die vom Clubführer zu unterzeichnen waren, auch nach acht Wochen noch nicht zurückgekommen seien. Der Spielbetrieb ging weitgehend unverändert fort mit Turnierreisen wie gehabt. Langsam wurde es aber dünner, in den letzten Kriegsjahren wurde eine Spielgemeinschaft mit Jahn gebildet, in der Alte, zu junge oder Freigestellte dem kleinen weißen Ball hinterherrannten, so lange es eben noch ging.

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