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1945 bis 1960

Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit und neues Leben blüht aus den Ruinen, so möchte man mit Schiller sagen, wenn man über den Neubeginn im MSC nach 1945 spricht. Diesmal trat trotz der schmerzlichen Verluste nicht der Effekt von 1919 ein, alle Heimkehrer sammelten sich und halfen tüchtig zusammen. Schon im August 1945 ging es wieder los mit einigen Spielen und einem Tänzchen. 1946 startete man dann mit einem Holzvergaser-Bus mit Damen und Herren nach Heidelberg, was nicht ohne Pannen und dramatische "Treibstoffbeschaffungsaktionen" vor sich ging. Im gleichen Jahr das erste große Pfingturnier von Wacker, bei dem man auf altbekannte Gegner aus Köln, Mannheim und Hamburg traf. Zu Pfingsten 1949 folgte dann das große Jubiläumsturnier zum Fünfzigsten, das, neben den alten Freunden aus Deutschland auch unsere Freunde von den Red Socks Zürich und aus Wien nach München brachte, die ersten internationalen Begegnungen im Hockey nach dem Krieg überhaupt.

Eine Story aus dieser Zeit muß erzählt werden. Unsere Befreier, die Amerikaner, waren, sportlich wie sie sind, stets auf der Suche nach geeigneten Geländen. Dabei fiel Ihnen auch der MSC-Platz an der Leopoldstraße ins Auge und im Handumdrehen war das Spielfeld für Football beschlagnahmt. In der Nacht vor deren erstem Match, war eine rege Tätigkeit zu beobachten. Treue MSC'ler unter der Führung von Franz Herrle, hatten einen Motorpflug besorgt und ackerten den Platz von vorne bis hinten um. Notgedrungen mussten die Amis anderentags wieder abziehen, die Suche nach den Tätern verlief im Sande. Der Platz wurde gewalzt, mit einer Aschenschicht von den städtischen Gaswerken versehen und schon war der zwar zweckmäßige, wegen seiner Nebenwirkungen aber nicht allseits beliebte Hockeyplatz fertig. Er sollte uns bis 1959 dienen. Rudimentäre Spuren des Platzes sind noch vorhanden und zwar als hochinteressante bläulich-greuliche Einlagerungen in den Knien der damaligen Aktiven. Danach wurde die im Krieg abgebrannte, altehrwürdige Tribüne in gleicher Gestalt wieder aufgebaut. Meisterschaftsspiele in der ersten bayerischen oder der ersten südbayerischen Klasse wechselten sich ab, wobei Auf- und Abstieg nach alter Clubtradition von rauschenden Festen begleitet waren. Zu voller Form lief die Herrenmannnschaft aber wie eh und je bei Reisen und Turnieren auf. Ostern 1950 ging es wieder zum UHC nach Hamburg und schon 1953 und 1958 folgten zwei reichlich abenteuerliche Reisen nach Zagreb. Besonders in meiner Erinnerung bleibt die Pfingstreise 1957 nach Berlin, weil ich dort als Spätberufener (aber leider nie vollendeter) erstmals bei den ersten Herren mitspielen durfte. Drei Supersiege gegen die Berliner Spitzenclubs, vier Stunden Schlaf in drei Nächten, enorme Züge durch die Gemeinde und anschließend drei Tage im abgedunkelten Zimmer waren das Fazit. Im Herbst 1957 ging es dann über Zürich, Olten und Lyon nach Bordeaux und San Sebastian, für uns Jüngere völlig neue Eindrücke. Die Ergebnisse waren meist durchwachsen, was bei der heterogenen Zusammensetzung der Mannschaften normal ist. Wenn ich die Clubbücher der Zwanziger Jahre lese, so muß ich sagen: genau so war es damals im MSC im goldenen Jahrzehnt von 1950 bis 1960.

Nachdem sich der Club bis dahin mit den an anderer Stelle geschilderten Notlösungen bei einem Vereinsheim begnügen mußte, beschloß man 1956, wieder einigermaßen bei Kasse, den Bau eines Clubhauses zwischen Hockeyplatz und Tennisanlage. 1957 war es fertig. In seiner Architektur war es ein Mittelding zwischen Isartalbahnhof und Seilbahnstation. Die muffigen Umkleiden im Untergrund der Tribüne hatten damit ausgedient und die Feste, die darin gefeiert wurden, sind unvergessen. Eine kleine Geschichte darf hier nicht fehlen: Nicki Trübsbach, Verteidigerhüne und mit Abstand der schußgewaltigste Hockeyer, ließ eines Tages eine seiner Bomben los. Die Kugel flog hoch übers Tor, durchschlug die Glaswand des Clubhauses an der Frontseite genauso wie die an der Rückseite und kam erst weit in der Tennisanlage zur Ruhe. Dazwischen hatte sie noch die Kraft gefunden, Herrn Dr. Detre Barczy, einem äußerst soignierten Tennisspieler, die Tasse aus der Hand zu schießen, sowie dies weiland beim "Struwwelpeter" das Häschen mit der Frau des wilden Jägersmanns tat. Von einem ähnlichen Kapitalschuß hat man erst ein Jahrzehnt später wieder gehört, als es Wolfi Miehle, Mittelstürmer des MSC, bei einem Spiel in Berlin gegen Zehlendorfer Wespen gelang, bei einem weit hinter dem Tor auf der anderen Straßenseite gelegenen Milchlädchen die Auslagscheibe einzuschießen, was zuvor in Jahrzehnten trotz eifriger Versuche keinem der Wespen gelungen war und was ihm einen anerkennenden Eintrag in der Clubchronik der Zehlendorfer einbrachte. Beide Schützen verbindet die Tatsache, daß Wolfi später wegen einer wohlverdienten Ohrfeige von Nicki den MSC verließ und sich dem aufstrebenden ASV anschloß.

Kaum war das Clubhaus fertig, stand ein neues Großprojekt bevor. Der Aschenplatz ging nun nicht nur den Gästen, die besseres gewohnt waren, sondern auch uns selbst auf die Nervern und so wurden weitgehend von der Altherrenschaft unter Führung von Horst "Onkel Oskar" Wilde stattliche 10.000 Mark gesammelt, die genügten, um im Herbst 1959 einen Rasenplatz anzulegen. Kaum war die Saat aufgegangen, so erreichte eine Hiobsbotschaft den Club: Die Bundesbahn, Eigentümer des Geländes, kündigte den ohnehin stets kurzfristigen Pachvertrag, weil das Gelände an einen Supermarkt, der der Bahn üppiges Frachtaufkommen versprach, verkauft werden sollte. Das Ende des Clubs schien bevorzustehen.

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