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1960 bis 1972

Es gibt noch Wunder! Verzweifelt waren wir, als wir 1959 hörten, wir hätten die traditionsreiche Stätte des Sports zu räumen, auf der wir bald ein halbes Jahrhundert zuhause waren. Das Gelände an der Leopoldstraße verlassen, aus dem Herzen Schwabings scheiden zu müssen, jenem merkwürdigen Stadtteil, der zurecht als ein "Zustand" bezeichnet wird, war allen unfaßlich. Mit dem MSC, der hier verwurzelt war, der ein Teil Schwabings war, sollte es aus sein? Nein und gerade nein! Denn der Himmel sandte uns einen Mann, der gewillt war, mit aller Entschlossenheit für die Rettung seines Clubs zu kämpfen, der nicht sein ureigener war, der es aber geworden ist. Vielleicht war es gut, daß dieser Mann kein Schwabinger war, keiner der erdgebunden an dem Stadtteil hing, dessen Flair seine Anhänger zu sehr gefangen hielt, als daß man es sich vorstellen konnte, woanders zu existieren.

Wir alle kannten Hänschen Fleitmann als großen Macher beim befreundeten Sportclub 1880 in Frankfurt. Schon 1959 hörten wir, daß er demnächst seine überaus erfolgreiche Berufslaufbahn als Mitinhaber eines renommierten Frankfurter Unternehmens beenden und dann mit seiner charmanten Frau Lissy nach München umziehen wollte, um den geliebten Bergen näher zu sein. Als unser Notschrei Hänschen Fleitmann in Kitzbühel erreichte, war der MSC gerettet. Im Januar 1962 war es, als er (zunächst) zweiter Vorsitzender wurde. Der Feuereifer, mit dem er sich in die Arbeit stürzte, ist legendär. Nachdem Hänschen mit Verhandlungsgeschick dem Kaufaspiranten Hurler einen Betrag von 30.000 Mark für unseren Verzicht auf den Gerichtsweg abgepreßt und daneben einen Räumungsaufschub bis Oktober 1962 erwirkt hatte, machte er sich daran, den Verantwortlichen der Stadt gehörig auf den Wecker zu fallen. Jedes grüne Fleckchen auf dem Stadtpark wurde auf seine Eignung geprüft, Hänschen nervte die Behörden monatelang und siehe da, 1963 war es klar. Für den MSC wurden zwei Hockeyplätze und acht Tennisplätze auf dem Gelände südlich der bereits bestehenden Bezirkssportanlage in der Lerchenau fest eingeplant.

Unter Tränen der Altmitglieder und der Wucht der Schlagbirne brach mittlerweile unser geliebtes altes Clubhaus an der Leopoldstraße zusammen. Unvergessen bleibt den Beteiligten das letzte Fest in der Clubhausruine am 17. September 1963. Als Ersatz wurde in der Lerchenau eine von der Löwenbrauerei besorgte Baracke aufgestellt, deren angelieferte Bestandteile eher für den Sperrmüll bestimmt schienen. Mit viel Mühe und Eigenleistung gelang es aber dennoch, aus der Baracke ein gemütliches und funktionelles Heim zu bauen, das, natürlich, wieder rauschende Feste erlebte und an das eigentlich jeder gerne zurückdenkt.

Das sportliche Leben im Club ging weiter, die schon 1963 von der Stadt gebauten Tennisplätze waren bereits 1964 bespielbar, wobei ein Wohnwagen zunächst als Umkleide diente. Schlechter waren die Hockeyspieler dran, sie mußten schon 1963 auf den ESV- Platz ausweichen, dessen Wellen durch unsere Mähwalze so gut es ging begradigt wurden. Die in größerer Population vorhandenen Maulwürfe und Wühlmäuse fielen den Auspuffgasen von Hänschens Porsche zum Opfer. In der Folgezeit ging man daran, ein richtiges Clubhaus zu bauen. Nach den Plänen von Hans Woltersdorff entstand wieder mit tatkräftiger Unterstützung der Mitglieder ein funktionell praktisches und angesichts der bescheidenen Mittel auch architektonisch geglücktes Gebäude, das sich heute noch sehen lassen kann. Gleich danach wurden noch die zwei Tennis-Meisterschaftsplätze mit Rängen erstellt,wobei durch Vermittlung von General Trautlofft die Bundeswehr kräftig mitwirkte.

Das Hockey lief inzwischen in der gewohnten Form weiter. In den Anfang der Sechzigerjahre fiel die Gründung von "Schwabing", einer Reise- und Traditionsmannschaft aus altgedienten MSC-Kämpen und auswärtigen Studenten, die heute noch existiert, die Spitzenmannschaften des Clubs unterstützt und gefördert hat und über deren Aktionen, Reisen und Figuren man ein eigenes Buch schreiben müßte. Ein sportlich bemerkenswertes Ereignis war im Herbst 1967 der Zugang von Klaus Greinert vom Berliner Hockeyclub, Kapitän der Nationalmannschaft und Klassespieler, der mit seinem unerschütterlichen Selbstvertrauen und Optimismus alle mitriß und mit dem die Herrenmannschaft an die Spitze in Bayern heranschnupperte, ohne sie ganz zu erreichen. Immerhin, man hatte Blut geleckt! Klaus Greinert verließ uns Anfang 1969 wieder aus beruflichen Gründen, blieb aber all die Jahre ein treuer Freund und Förderer des MSC, wie überhaupt schon aus den Zwanziger Jahren und weiterhin berichtet wird, daß heimkehrende Spieler, die während des Studiums dem MSC angehörten, Freunde des Clubs fürs Leben blieben. Es muß also doch etwas besonderes an den grau-roten Farben und deren Trägern sein.

Für Klaus Greinert fanden wir, wiederum durch wundersame Fügung, bald Ersatz. Die Olympischen Spiele warfen ihren Schatten voraus und so stieß, von Hänschen Fleitmann gefördert, der Kölner Horst Wein zu uns, Ex-Nationalspieler, weltweit renommierter Hockeyexperte und Fachbuchautor, der als Cheforganisator des olympischen Hockeyturniers im Winter 1970 seine Zelte in München aufschlug. Horst, der bis Mitte 1974 bei uns blieb, war es vorbehalten, das Herrenhockey im MSC endlich an die Spitze heranzubringen, zumal mit Peter Caninenberg das größte MSC-Talent seit Fredi Gerdes seine Karriere startete. Seit 1968 gehörte man der Staffel Ost der damals gegründeten Süddeutschen Oberliga an und nun konnte man herangehen, nach Höherem, d.h. nach der Bundesliga zu greifen. Die war im Herbst 1969 gegründet worden, aus Bayern war Rot-Weiß dabei, das sich in drei Stechen gegen Wacker durchgesetzt hatte, der MSC hatte damals als Dritter diese Qualifikation knapp verfehlt. Rot-Weiß stieg nach zwei wenig erfolgreichen Jahren wieder ab, später schaffte Wacker noch einmal den Sprung, mußte das Oberhaus aber ebenfalls nach einem Jahr wieder verlassen.

1972 war es für den MSC erstmals soweit, als Erster der Ostgruppe nahm man an den Aufstiegsspielen zur Bundesliga teil, nach dem letzten Spiel war man, punktgleich mit TEC Darmstadt, um ein lächerliches Törchen Zweiter und der erste Anlauf war gescheitert. In diesem Jahr war das zuverkraften, stand doch die Olympiade bevor, in die der MSC auf vielfache Weise eingebunden war.

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