Aus der Geschichte eines Clubs
Clubgeschichte

Aus der Geschichte eines Clubs

1998 feierte der MSC mit einem großen Pfingst-Turnier sein 100-jähriges Bestehen. Für das Programmheft hielt der unvergessene Karli Roth mit viel Witz, Liebe und Sorgfalt die Geschichte des MSC fest. Seit 2003 dokumentieren die jährlichen Saisonhefte das Geschehen im MSC.


Vorrede

Hundert Jahre - ja so alt wird doch kein Schwein. Nun, dem MSC ist es dennoch gelungen und so bin ich jetzt gefordert, etwas aus dieser langen Zeit zu erzählen. Auf welche Quellen greift man da zurück? Ganz klar, auf das Clubarchiv! Nur dumm, daß ein solches nicht existiert! Ich kenne Hockeyclubs, bei denen die Anzahl der in der ersten Mannschaft absolvierten Spiele sowie die Torschützen bis zurück zu den Gründungszeiten festgehalten sind. Nichts von alledem beim MSC, auf eine gepflegte Schlampigkeit hat man schon immer und bis zum heutigen Tag Wert gelegt. Ganz hilflos war ich aber dennoch nicht. Zum einen habe ich fast die Hälfte dieses Centenniums selbst mehr oder weniger aktiv miterlebt, zum anderen kam uns der Zufall zuhilfe. Vor etwa zwanzig Jahren stöberte unser Tennismitglied Hubertus Wild, seines Zeichens höherer Ministerialer im Bayerischen Landwirtschaftsministerium, im Archiv seiner Behörde, um irgendetwas aus der Geschichte der bayerischen Agronomie ans Tageslicht zu fördern. Dabei fiel ihm, er traute seinen Augen kaum, in der Zeitschrift "Das Bayerland" aus dem Jahre 1910 eine sich über drei Fortsetzungen erstreckende Geschichte des MSC über die vierzehn Jahre seit der Gründung 1896 in die Hände. Hier ist nun alles schwarz auf weiß festgehalten, was uns nur bruchstückweise aus Veröffentlichungen alter Mitglieder in früheren Jubiläumsschriften und ähnlichem bekannt war. Für das Jahrzehnt von 1920 bis 1930 gibt es nun tatsächlich eine Art Archiv, nämlich vier in Leder gebundene Tagebücher, die zunächst von Pauli Bachhofer, und danach von Manfred Backmund gewissenhaft geführt wurden und in denen alles festgehalten ist, was vorfiel. Die dunklen Jahre von 1931 bis 1945 liegen dagegen auch was die MSC-Geschichte betrifft, mehr im Verborgenen und erst für die Zeit ab dem Kriegsende setzt die eigene Erinnerung ein.

Was nun folgt, soll keine Chronik im üblichen Sinne mit Jahreszahlen, Tabellen, Statistiken und Ergebnissen sein, vielmehr möchte ich Ihnen, wie schon der Titel sagt, Geschichten aus den einzelnen Epochen erzählen, wie sie mir für die MSC typisch erscheinen und die zeigen, daß sich im Grunde, was das Wesen und den Charakter des MSC betrifft, nicht viel geändert hat. Viel Spaß bei der Lektüre.

Von der Gründung bis 1920

Im Jahr 1896 war es, als eine Gruppe ausländischer Studenten in, man darf annehmen, heiterer Laune beisammen saß und beschloß, einen Sportclub zu gründen. Wie eine Flutwelle zog zu dieser Zeit, von England kommend, die neue Sportbewegung über den alten Kontinent und bot eine begeistert aufgenommene Alternative zum steifen und fast paramilitärischen Turnen nach Jahn und Guthsmuth. Engländer, Franzosen, Russen, Skandinavier, Amerikaner, Brasilianer und Südafrikaner waren darunter und so wählte man den Namen „Internationaler Sportclub“.

Mit Boxen fing man an, doch in den nächsten Jahren, als mehr und mehr Einheimische sich der neuen Bewegung anschlossen, gab es kaum eine Sportart, die nicht ausprobiert wurde. Im Radpolo erwarb sich der ISC bald internationalen Ruhm, Tennis, Fußball und ab 1898 auch Hockey kamen dazu und die erste verbürgte Hockeybegegnung fand zu Ostern 1898 in Ermangelung nationaler Gegner in Wien gegen den WAC statt. Richard Blauel, eines der Gründungsmitglieder, berichtete darüber in der Festschrift zum Jubiläumsturnier 1949.

Schon 1899 wurde der Clubname in „Münchener Sportclub“ geändert. Nachdem man zuerst auf einem Gelände an der Karl-Theodor-Straße Sport trieb, wurde 1906 das große Areal an der Schwabinger Landstraße von der Stadt gepachtet, das bis 1963 die Heimstatt des Clubs war. Zur gleichen Zeit wurde für die Verwaltung und als Clubräume die gesamte zweite Etage des Hotels Vier Jahreszeiten angemietet, die für diese Zwecke eigens umgebaut wurde. Der Club wuchs und gedieh rasch, zahlreiche neue Abteilungen gründeten sich, auf dem Wintersportgebiet z.B. Ski, Bob und Eishockey, kleinere Münchner Sportclubs schlossen sich als Abteilungen dem inzwischen auch offensichtlich finanzstarken MSC an. Von glanzvollen Sommerfesten kann man lesen, von internationalen Tennisturnieren und von Hockeyreisen zu deutschen und ausländischen Freunden. Mit bis zu 22 Abteilungen war man zeitweise Europas größte Sportvereinigung und nicht ohne Stolz ist vermerkt, daß dem Hofe nahestehende Kreise zu den Mitgliedern zählten. In diese Zeit fällt auch der Bau der Tribüne, die bis 1960 stand, 200 Personen Platz bot und neben Umkleideräumen auch eine Wohnung für den „Diener“ enthielt.

Ich wollte ja Geschichten erzählen, also hier sind sie: Im Frühling 1906 war es, als die Verhandlungen mit dem FC Bayern, der sich einige Jahre davor gegründet hatte, zum Abschluß kamen. Die heute schier omnipotenten Bayern schlossen sich als selbständige Fußballabteilung dem MSC an, einzige Bedingung: sie mußten ihre schwarzen Hosen gegen die weinroten des MSC eintauschen. Als MSC-Abteilung wurden sie 1909 erstmals bayerischer Meister, die Ehe hielt bis zum Jahr 1919 (Geschichte der Fusion des MSC und Bayern). Vor einigen Jahrzehnten lernte ich durch Zufall Max Fürst kennen, einen zu der Zeit bereits hochbetagten Architekten und Maler, der vor dem ersten Krieg linker Läufer bei den Bayern spielte und mir Bilder zeigte, auf denen die Bayern mit unserem bis heute unveränderten MSC-Zeichen auf der Brust antraten. Er erzählte mir auch, daß damals nur Abiturienten in den Club aufgenommen wurden. Weinrot aber blieb auch künftig die Clubfarbe der Bayern.


Foto: Bayern-Fußballteam mit MSC-Logo auf der Brust

Nicht fehlen darf hier natürlich die Geschichte von Hanns Braun, der als Leichtathlet der populärste deutsche Sportler der Jahre vor 1914 war, vergleichbar mit Leuten wie Boris Becker, Schumacher oder Baumann in unseren Tagen. Hanns Braun, geboren 1886 in München als Sohn des bekannten Schlachtenmalers Louis Braun, kam als 16jähriger zum MSC, um Hockey zu spielen. Bald erkannte man sein läuferisches Talent und ab 1904 widmete er sich der Leichtathletik und lief für den MSC, der damals offiziell noch gar keine Leichtathletikabteilung hatte. Das Hockeyspiel gab er deshalb aber nicht auf. Seine Erfolge im kommenden Jahrzehnt sind sagenhaft. Er stellte als Mittelstreckler einen Weltrekord (1000 m in 2:26.0 1909) und 13 deutsche Rekorde auf, wurde Dritter über 800 bei der Londoner Olympiade 1908 und Zweiter über 400 m bei den olympischen Spielen in Stockholm. Legendär ist sein Lauf über 800 m in Stockholm als er gegen 6 US-Amerikaner lief, die ihn taktisch bis zum Ziel einsperrten, sodaß er am Ende Vierter wurde. Bei mehreren Revanchen nach den Spielen schlug er seine damaligen Bezwinger regelmäßig. Nach Stockholm zog sich Braun mehr und mehr zurück und widmete sich seinem Beruf als akademischer Bildhauer. In den letzten Kriegstagen im Oktober 1918 ist er, dessen Eigenschaften mit Kameradschaft, Bescheidenheit und heiterstem Wesen beschrieben wurden, als Flieger in Frankreich gefallen.


Hanns Braun (rechts)

Willi "Baby" Langhorst, der erste Hockeynationalspieler des MSC war ihm bereits 1914 im Soldatentod vorausgegangen. In München blieb Hanns Braun unvergessen. Das von der Stadt ausgerichtete Hanns-Braun-Sportfest der Leichtathletik, bei dem im Laufe der Jahrzehnte viele Weltrekorde aufgestellt wurden, fiel erst Anfang der siebziger Jahre der zunehmenden Kommerzialisierung des Sports zum Opfer. Der MSC errichtete Ende der Fünfziger auf dem Clubgelände ein von Hans Rehm geschaffenes Hanns-Braun-Denkmal, das Karl Ritter von Halt, damals deutscher NOK-Präsident und Mannschaftskamerad von Hanns Braun, einweihte. Es ist beim Umzug 1963 untergegangen.

Allgemein bekannt dürfte die Story sein, wie es zum Schlachtruf des MSC "Haizuru" kam. Der Vollständigkeit halber erzähle ich sie hier kurz noch einmal. 1908 war es, als Sir John Wilkinson auf den Spuren Livingstones durch Afrika reiste. Nach seiner Rückkehr befand sich unter seinen Souvenirs eine grell bemalte, als Kopf ausgestaltete Kokosnuss, die einem obskuren Stamm im Inneren des schwarzen Kontinents als Götze gedient hatte. Wie sie in das Gepäck des Globetrotters gelangte, ist nicht überliefert. Sir John stiftete als Hockeyenthusiast die Trophäe seinem Club, den "Vagabonds" in Hastings, die es als Maskotte benutzten und von Stund an kein Spiel mehr verloren, zumindestens solange nicht, bis der MSC 1913 nach Hastings kam und die Vagabonds schlug. Als faire Sportsleute übergaben sie Ernst Röchling, aus der Familie der Völklinger Stahltycoons stammend und damals MSC-Kapitän, den Haizuru. Zum für 1915 geplanten Rückspiel kam es dann aus bekannten Gründen nicht mehr. Daß das Ganze keine fromme Erfindung ist, beweist der erhalten gebliebene Auszug mit Bild aus einer englischen Sportzeitung. Was aber bedeutet nun Haizuru? Ich wußte es nicht, bis ich 1974 anläßlich einer MSC-Hockeyreise durch Kanada in Calgary Fred de Wiel traf, einen sympathischen Deutsch-Schweden-Franzosen, der lange Jahre in Kenia gelebt hatte. Er klärte mich auf, daß Haizuru der Suaheli-Sprache entstammte, die er fließend beherrschte und soviel wie "macht nichts, is eh wurscht, Nitschewo" bedeutet. Besser könnte man den generellen MSC-Charakter kaum beschreiben.

1920 bis 1933

Den alten Griechen zufolge ist der Krieg der Vater aller Dinge. In unserem Fall konnte er diesem Ruf nicht gerecht werden, er zerstörte vielmehr (fast) alles. Den aus dem Krieg heimkehrenden Helden erging es so, wie fast ein halbes Jahrhundert später den US-Soldiers nach Vietnam. Der einstige Großverein MSC zerfiel, ehemalige Abteilungen machten sich selbständig wie die Bayern oder schlossen sich anderen Clubs an, wie die Leichtathleten der Turnerschaft Jahn. Die überlebenden Alten widmeten sich vorwiegend dem Kartenspiel und fanden nicht mehr die Kraft, sich um Neuaufbau und Fortbestand des alten MSC zu kümmern. So blieb es einer Gruppe von jüngeren Leuten vorbehalten, zusammen mit einigen aufrechten Alten im Jahr 1920 den "Münchner Sportclub für Tennis und Hockey" zu gründen, der ansonsten unverändert die Tradition fortführte. Man traf sich zum Clubabend regelmäßig in der Ceylon-Teestube in der Maximilianstraße, schon zu Pfingsten 1920 gab es die erste Hockeyreise nach Würzburg und anläßlich eines Propagandaspiels in Augsburg gegen Jahn vor 1.000 Zuschauern konstatierte die lokale Presse, das dies die zwei stärksten bayerischen Mannschaften seien.

Der Zusammenhalt unter den Mitgliedern muß damals großartig gewesen sein. Man traf sich nach dem Training mehrmals wöchentlich in der Teestube oder ab 1924 im Nürnberger Bratwurstglöckerl, machte gemeinsame Ski- und Bergausflüge und spielte daneben größtenteils auch Tennis im Club. Ich darf mich auf das Hockeygeschehen beschränken, über Tennis wird aus berufener Feder an einer anderen Stelle dieser Schrift berichtet. Meisterschaftsspiele im heutigen Sinn gab es damals noch nicht, als starker Gegner war in München neben Jahn nunmehr der HC Wacker dazugekommen, gegen beide gab es eher mehr knappe Niederlagen als Siege. Stark war der MSC aber auf Reisen zu den großen Oster- oder Pfingstturnieren beim UHC Hamburg, LSC Leipzig, bei Frankfurt 80, oder in Westdeutschand, wo man häufig ungeschlagen zurückkehrte. Wie die Chronik berichtet, kamen von solchen Reisen die Letzten rund eine Woche nach Abreise zurück.


MSC'ler ca. 1920er Jahre

Auf einer dieser Reisen soll dem Vernehmen nach der so teure Haizuru in einem Eisenbahngepäcknetz liegengeblieben sein. Andererseits wurden besonders zu Beginn der Zwanziger in München zusammen mit einigen anderen Clubs, die Internationalen Münchner Pfingstspiele veranstaltet. Nicht allzuviel findet sich über das Damenhockey, das seit 1911 im MSC gepflegt wurde. Von den ersten Herren wurden sie liebevoll als "unsere Bamberlmannschaft" bezeichnet. Aus anderer Quelle wissen wir aber, daß bereits in den Jahren 1919 bis 1923 Mixed-Turniere in Dresden, Würzburg, Mannheim, Frankfurt und Heidelberg besucht wurden, und daß in der Folgezeit mehrere Reisen nach Zürich zu den Red Socks stattfanden. Bei den großen Turnierbesuchen der Herren waren auch die Damen meistens dabei und einige brachten es sogar zu Auswahlspielerehren, als beste Anni Zell, unsere spätere Mutter des Clubs, "Tante Anni" Wilde.

Herausragender Spieler dieser Zeit war Pauli Zell als Mittelläufer. Er hält heute noch den Clubrekord im Studium, nämlich 33 Semester ohne Examen. Diese Einstellung verrät auch, warum er, der vielfach in die Süddeutsche Auswahl berufen wurde, keine Einladung zur Nationalelf erhielt. Das gesellige Feiern gehörte halt auch damals schon zum MSC wie Hockey und Tennis. Eine überlieferte Geschichte von Pauli soll noch erzählt werden. Eines Tages begehrte ein Amerikaner namens Broons die Aufnahme in den Club. Dazu muß man wissen, daß der langjährige Schriftführer des Clubs Konsul Schorss hieß. Als auf einer Vorstandssitzung über die Aufnahme von Broons abgestimmt wurde, meinte Pauli trocken: "Wenn ma an Schoas ham, kemma an Brunz a aufnehma!" Weitere Stützen, deren Namen noch in Erinnerung sind, waren die Brüderpaare Neumeyer und Tambosi, der langjährige Vorstand Fritz Adolf Greiner, Ferdl Schlemmer, Laves, beide Melchior sowie Wilken "Mausi" v. Ramdohr. Gleichberechtigt mit den sportlichen Ereignissen, über die übrigens in der Presse in einem beneidenswerten Umfang berichtet wurde, wenn auch in einem heute nicht mehr lesbarem Stil ("in rasendem Tempo wogte das Spiel hin und her, der linke Verteidiger war ein Totalversager"), ging das gesellige Leben einher. Private Tanztees wechselten sich mit offiziellen Feierlichkeiten ab. Aus dem Jahr 1926 ist eine gedruckte Einladung zu einem MSC-Ball im Deutschen Theater erhalten, bei dem Balltoilette bzw. Frack oder Smoking vorgeschrieben waren. Die Frontseite der Einladung zierte bereits das uns bestens bekannte Bild der beiden MSC-Tennis- und Hockeyspieler im Sportdress. Gemalt hatte es Erich Frankenberg, ein Berliner Kunststudent vom BHC, der von 1920 bis 1924 im MSC spielte. Vor etwa 20 Jahren tauchte Erich Frankenberg hochbetagt in unserem jetzigen Clubhaus auf und war zu Tränen gerührt, als er sein Werk noch erhalten und geehrt vorfand.

Sehr streng waren die Bräuche des Hockeyverbandes auch damals schon. So wurde Adi Kulzinger, späterer DHB-Präsident, der als Student damals beim MSC spielte, drakonisch für drei Monate gesperrt, weil er ohne offizielle Genehmigung mit einer österreichischen Mannschaft in Spanien ein Turnier gespielt hatte.

Mit Schluß des Jahres 1926 war der Eifer im Führen eines Clubbuchs offensichtlich erschöpft. Über die beiden folgenden Jahre ist kein einziger Eintrag enthalten, erst im November 1929 geht es weiter. So wird von einem Hockeyspiel in Bad Tölz (!) berichtet, von Reisen nach Jena, zum Osterturnier 1930 von Frankfurt 80 und, noch ausführlicher von zahllosen heiteren Zusammenkünften in der Bratwurstglocke und beim Franziskaner. Mit ausführlichen Berichten über die Reise zum 18. Osterturnier des UHC Hamburg im Jahr 1931 endet der Band und läßt uns, was die nähere Zukunft brachte, in ziemlicher Ungewißheit zurück.

1933 bis 1945

Wie schon gesagt, muß ich für diese Zeit weitgehend auf Registergerichtseintragungen und Protokolle von Generalversammlungen zurückgreifen. Auch die liegen uns erst vor, seitdem es Michi Nahr gelungen ist, sie unerwartet den Archiven des Registergerichts zu entreißen. Daraus ist zu sehen, daß die in den Zwanzigern erfolgreichen Aktiven wie Mausi von Ramdohr, Pauli Zell, Dr. Ferdl Schlemmer und Sigi Neumeyer, um nur einige zu nennen, auch in der Vorstandschaft des Clubs auftauchen.


Olympisches Finale 1936 in Berlin

Sportlich die herausragende Tatsache war wohl die Berufung von Fredy Gerdes in die Olympiamannschaft von 1936, wo er sich als linker Läufer beste Kritiken verdiente, wenngleich das Endspiel gegen die damals unbezwingbaren Inder 1:8 verlorenging. Gerdes war Eigengewächs des MSC, sein Vater taucht bereits 1920 im Clubvorstand auf. Während des Krieges wechselte er aus verständlichen Gründen zu Jahn, wo er von dem Hockeyenthusiasten Dr. Schmitz, Vorstand einer großen Münchner Privatbank, ebenso wie Karli Wild und einige andere, beruflich gefördert wurde. Bei vielen Turnierbesuchen in Konstanz, wo er Spielbankdirektor war, haben wir ihn in den letzten Jahrzehnten oft noch wiedergetroffen.

Von einer sehr starken Juniorenmannschaft aus dieser Zeit weiß man auch noch, deren Hauptprotagonisten damals Karli Wild, der spätere Eishockey-Rekordnationalspieler sowie unser unvergessener Siegfried "Biwackerl" Überreiter, dem man eigentlich ein eigenes Kapitel widmen müßte, waren. Eine erfolgreiche Reise dieses Teams zu einem Turnier in Prag im Jahr 1935 ist mündlich überliefert. Bekannt ist aber auch die traurige Tatsache, daß allein aus dieser Mannschaft acht nicht aus dem Krieg zurückkamen.

Daß eine neue, wenn auch keine gute Zeit begonnen hatte, geht schon aus dem Vergleich der GV-Protokolle Januar 1933 und März 1934 hervor. Während im ersteren der 1. Vorsitzende Konsul Albert Schorss, die Versammlung eröffnete, wurde schon ein Jahr später Wilken von Ramdohr zum „Clubführer“ gewählt. Die Versammlung schloß mit dem Aufruf des neuen Clubführers zur Unterstützung und Mitarbeit im Sinne unseres Führers. Alle offiziellen Schreiben waren von da ab mit „Heil Hitler“ unterzeichnet, die Gleichschaltung war auf allen Ebenen vollzogen und man mußte offensichtlich mit den Wölfen mitheulen.

Aus dem 33er Protokoll ist übrigens interessant, daß auf dieser Versammlung die Wiedereinführung des alten Clubnamens „Münchener Sportclub e.V.“ einstimmig beschlossen wurde. Der alte MSC, bis dahin immer noch als Karteileiche im Vereinsregister, war, ohne jemals noch eine Aktivität entfaltet zu haben, im Register gelöscht worden, der Interimstitel „MSC für Tennis und Hockey“ hatte ausgedient.

Immer häufiger wechselte der Vorstand, besonders nach Kriegsbeginn, als die Männer an die Front mußten und es liegen verzweifelte Schreiben von Irmgard "Rotkraut" Rehm, die damals Hockey-Damenwartin war und den Clubführer vertrat, an das Registergericht vor, in dem sie um Fristverlängerung bittet, weil an die Front gesandte Schriftstücke, die vom Clubführer zu unterzeichnen waren, auch nach acht Wochen noch nicht zurückgekommen seien. Der Spielbetrieb ging weitgehend unverändert fort mit Turnierreisen wie gehabt. Langsam wurde es aber dünner, in den letzten Kriegsjahren wurde eine Spielgemeinschaft mit Jahn gebildet, in der Alte, zu junge oder Freigestellte dem kleinen weißen Ball hinterherrannten, so lange es eben noch ging.

1945 bis 1960

Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit und neues Leben blüht aus den Ruinen, so möchte man mit Schiller sagen, wenn man über den Neubeginn im MSC nach 1945 spricht. Diesmal trat trotz der schmerzlichen Verluste nicht der Effekt von 1919 ein, alle Heimkehrer sammelten sich und halfen tüchtig zusammen. Schon im August 1945 ging es wieder los mit einigen Spielen und einem Tänzchen. 1946 startete man dann mit einem Holzvergaser-Bus mit Damen und Herren nach Heidelberg, was nicht ohne Pannen und dramatische "Treibstoffbeschaffungsaktionen" vor sich ging. Im gleichen Jahr das erste große Pfingturnier von Wacker, bei dem man auf altbekannte Gegner aus Köln, Mannheim und Hamburg traf. Zu Pfingsten 1949 folgte dann das große Jubiläumsturnier zum Fünfzigsten, das, neben den alten Freunden aus Deutschland auch unsere Freunde von den Red Socks Zürich und aus Wien nach München brachte, die ersten internationalen Begegnungen im Hockey nach dem Krieg überhaupt.

Eine Story aus dieser Zeit muß erzählt werden. Unsere Befreier, die Amerikaner, waren, sportlich wie sie sind, stets auf der Suche nach geeigneten Geländen. Dabei fiel Ihnen auch der MSC-Platz an der Leopoldstraße ins Auge und im Handumdrehen war das Spielfeld für Football beschlagnahmt. In der Nacht vor deren erstem Match, war eine rege Tätigkeit zu beobachten. Treue MSC'ler unter der Führung von Franz Herrle, hatten einen Motorpflug besorgt und ackerten den Platz von vorne bis hinten um. Notgedrungen mussten die Amis anderentags wieder abziehen, die Suche nach den Tätern verlief im Sande. Der Platz wurde gewalzt, mit einer Aschenschicht von den städtischen Gaswerken versehen und schon war der zwar zweckmäßige, wegen seiner Nebenwirkungen aber nicht allseits beliebte Hockeyplatz fertig. Er sollte uns bis 1959 dienen. Rudimentäre Spuren des Platzes sind noch vorhanden und zwar als hochinteressante bläulich-greuliche Einlagerungen in den Knien der damaligen Aktiven. Danach wurde die im Krieg abgebrannte, altehrwürdige Tribüne in gleicher Gestalt wieder aufgebaut. Meisterschaftsspiele in der ersten bayerischen oder der ersten südbayerischen Klasse wechselten sich ab, wobei Auf- und Abstieg nach alter Clubtradition von rauschenden Festen begleitet waren. Zu voller Form lief die Herrenmannnschaft aber wie eh und je bei Reisen und Turnieren auf. Ostern 1950 ging es wieder zum UHC nach Hamburg und schon 1953 und 1958 folgten zwei reichlich abenteuerliche Reisen nach Zagreb. Besonders in meiner Erinnerung bleibt die Pfingstreise 1957 nach Berlin, weil ich dort als Spätberufener (aber leider nie vollendeter) erstmals bei den ersten Herren mitspielen durfte. Drei Supersiege gegen die Berliner Spitzenclubs, vier Stunden Schlaf in drei Nächten, enorme Züge durch die Gemeinde und anschließend drei Tage im abgedunkelten Zimmer waren das Fazit. Im Herbst 1957 ging es dann über Zürich, Olten und Lyon nach Bordeaux und San Sebastian, für uns Jüngere völlig neue Eindrücke. Die Ergebnisse waren meist durchwachsen, was bei der heterogenen Zusammensetzung der Mannschaften normal ist. Wenn ich die Clubbücher der Zwanziger Jahre lese, so muß ich sagen: genau so war es damals im MSC im goldenen Jahrzehnt von 1950 bis 1960.

Nachdem sich der Club bis dahin mit den an anderer Stelle geschilderten Notlösungen bei einem Vereinsheim begnügen mußte, beschloß man 1956, wieder einigermaßen bei Kasse, den Bau eines Clubhauses zwischen Hockeyplatz und Tennisanlage. 1957 war es fertig. In seiner Architektur war es ein Mittelding zwischen Isartalbahnhof und Seilbahnstation. Die muffigen Umkleiden im Untergrund der Tribüne hatten damit ausgedient und die Feste, die darin gefeiert wurden, sind unvergessen. Eine kleine Geschichte darf hier nicht fehlen: Nicki Trübsbach, Verteidigerhüne und mit Abstand der schußgewaltigste Hockeyer, ließ eines Tages eine seiner Bomben los. Die Kugel flog hoch übers Tor, durchschlug die Glaswand des Clubhauses an der Frontseite genauso wie die an der Rückseite und kam erst weit in der Tennisanlage zur Ruhe. Dazwischen hatte sie noch die Kraft gefunden, Herrn Dr. Detre Barczy, einem äußerst soignierten Tennisspieler, die Tasse aus der Hand zu schießen, sowie dies weiland beim "Struwwelpeter" das Häschen mit der Frau des wilden Jägersmanns tat. Von einem ähnlichen Kapitalschuß hat man erst ein Jahrzehnt später wieder gehört, als es Wolfi Miehle, Mittelstürmer des MSC, bei einem Spiel in Berlin gegen Zehlendorfer Wespen gelang, bei einem weit hinter dem Tor auf der anderen Straßenseite gelegenen Milchlädchen die Auslagscheibe einzuschießen, was zuvor in Jahrzehnten trotz eifriger Versuche keinem der Wespen gelungen war und was ihm einen anerkennenden Eintrag in der Clubchronik der Zehlendorfer einbrachte. Beide Schützen verbindet die Tatsache, daß Wolfi später wegen einer wohlverdienten Ohrfeige von Nicki den MSC verließ und sich dem aufstrebenden ASV anschloß.


Das MSC Clubhaus an der Leopoldstraße

Kaum war das Clubhaus fertig, stand ein neues Großprojekt bevor. Der Aschenplatz ging nun nicht nur den Gästen, die besseres gewohnt waren, sondern auch uns selbst auf die Nervern und so wurden weitgehend von der Altherrenschaft unter Führung von Horst "Onkel Oskar" Wilde stattliche 10.000 Mark gesammelt, die genügten, um im Herbst 1959 einen Rasenplatz anzulegen. Kaum war die Saat aufgegangen, so erreichte eine Hiobsbotschaft den Club: Die Bundesbahn, Eigentümer des Geländes, kündigte den ohnehin stets kurzfristigen Pachvertrag, weil das Gelände an einen Supermarkt, der der Bahn üppiges Frachtaufkommen versprach, verkauft werden sollte. Das Ende des Clubs schien bevorzustehen.

1960 bis 1972

Es gibt noch Wunder! Verzweifelt waren wir, als wir 1959 hörten, wir hätten die traditionsreiche Stätte des Sports zu räumen, auf der wir bald ein halbes Jahrhundert zuhause waren. Das Gelände an der Leopoldstraße verlassen, aus dem Herzen Schwabings scheiden zu müssen, jenem merkwürdigen Stadtteil, der zurecht als ein "Zustand" bezeichnet wird, war allen unfaßlich. Mit dem MSC, der hier verwurzelt war, der ein Teil Schwabings war, sollte es aus sein? Nein und gerade nein! Denn der Himmel sandte uns einen Mann, der gewillt war, mit aller Entschlossenheit für die Rettung seines Clubs zu kämpfen, der nicht sein ureigener war, der es aber geworden ist. Vielleicht war es gut, daß dieser Mann kein Schwabinger war, keiner der erdgebunden an dem Stadtteil hing, dessen Flair seine Anhänger zu sehr gefangen hielt, als daß man es sich vorstellen konnte, woanders zu existieren.

Wir alle kannten Hänschen Fleitmann als großen Macher beim befreundeten Sportclub 1880 in Frankfurt. Schon 1959 hörten wir, daß er demnächst seine überaus erfolgreiche Berufslaufbahn als Mitinhaber eines renommierten Frankfurter Unternehmens beenden und dann mit seiner charmanten Frau Lissy nach München umziehen wollte, um den geliebten Bergen näher zu sein. Als unser Notschrei Hänschen Fleitmann in Kitzbühel erreichte, war der MSC gerettet. Im Januar 1962 war es, als er (zunächst) zweiter Vorsitzender wurde. Der Feuereifer, mit dem er sich in die Arbeit stürzte, ist legendär. Nachdem Hänschen mit Verhandlungsgeschick dem Kaufaspiranten Hurler einen Betrag von 30.000 Mark für unseren Verzicht auf den Gerichtsweg abgepreßt und daneben einen Räumungsaufschub bis Oktober 1962 erwirkt hatte, machte er sich daran, den Verantwortlichen der Stadt gehörig auf den Wecker zu fallen. Jedes grüne Fleckchen auf dem Stadtpark wurde auf seine Eignung geprüft, Hänschen nervte die Behörden monatelang und siehe da, 1963 war es klar. Für den MSC wurden zwei Hockeyplätze und acht Tennisplätze auf dem Gelände südlich der bereits bestehenden Bezirkssportanlage in der Lerchenau fest eingeplant.

Unter Tränen der Altmitglieder und der Wucht der Schlagbirne brach mittlerweile unser geliebtes altes Clubhaus an der Leopoldstraße zusammen. Unvergessen bleibt den Beteiligten das letzte Fest in der Clubhausruine am 17. September 1963. Als Ersatz wurde in der Lerchenau eine von der Löwenbrauerei besorgte Baracke aufgestellt, deren angelieferte Bestandteile eher für den Sperrmüll bestimmt schienen. Mit viel Mühe und Eigenleistung gelang es aber dennoch, aus der Baracke ein gemütliches und funktionelles Heim zu bauen, das, natürlich, wieder rauschende Feste erlebte und an das eigentlich jeder gerne zurückdenkt.

Das sportliche Leben im Club ging weiter, die schon 1963 von der Stadt gebauten Tennisplätze waren bereits 1964 bespielbar, wobei ein Wohnwagen zunächst als Umkleide diente. Schlechter waren die Hockeyspieler dran, sie mußten schon 1963 auf den ESV- Platz ausweichen, dessen Wellen durch unsere Mähwalze so gut es ging begradigt wurden. Die in größerer Population vorhandenen Maulwürfe und Wühlmäuse fielen den Auspuffgasen von Hänschens Porsche zum Opfer. In der Folgezeit ging man daran, ein richtiges Clubhaus zu bauen. Nach den Plänen von Hans Woltersdorff entstand wieder mit tatkräftiger Unterstützung der Mitglieder ein funktionell praktisches und angesichts der bescheidenen Mittel auch architektonisch geglücktes Gebäude, das sich heute noch sehen lassen kann. Gleich danach wurden noch die zwei Tennis-Meisterschaftsplätze mit Rängen erstellt,wobei durch Vermittlung von General Trautlofft die Bundeswehr kräftig mitwirkte.

Das Hockey lief inzwischen in der gewohnten Form weiter. In den Anfang der Sechzigerjahre fiel die Gründung von "Schwabing", einer Reise- und Traditionsmannschaft aus altgedienten MSC-Kämpen und auswärtigen Studenten, die heute noch existiert, die Spitzenmannschaften des Clubs unterstützt und gefördert hat und über deren Aktionen, Reisen und Figuren man ein eigenes Buch schreiben müßte. Ein sportlich bemerkenswertes Ereignis war im Herbst 1967 der Zugang von Klaus Greinert vom Berliner Hockeyclub, Kapitän der Nationalmannschaft und Klassespieler, der mit seinem unerschütterlichen Selbstvertrauen und Optimismus alle mitriß und mit dem die Herrenmannschaft an die Spitze in Bayern heranschnupperte, ohne sie ganz zu erreichen. Immerhin, man hatte Blut geleckt! Klaus Greinert verließ uns Anfang 1969 wieder aus beruflichen Gründen, blieb aber all die Jahre ein treuer Freund und Förderer des MSC, wie überhaupt schon aus den Zwanziger Jahren und weiterhin berichtet wird, daß heimkehrende Spieler, die während des Studiums dem MSC angehörten, Freunde des Clubs fürs Leben blieben. Es muß also doch etwas besonderes an den grau-roten Farben und deren Trägern sein.

Für Klaus Greinert fanden wir, wiederum durch wundersame Fügung, bald Ersatz. Die Olympischen Spiele warfen ihren Schatten voraus und so stieß, von Hänschen Fleitmann gefördert, der Kölner Horst Wein zu uns, Ex-Nationalspieler, weltweit renommierter Hockeyexperte und Fachbuchautor, der als Cheforganisator des olympischen Hockeyturniers im Winter 1970 seine Zelte in München aufschlug. Horst, der bis Mitte 1974 bei uns blieb, war es vorbehalten, das Herrenhockey im MSC endlich an die Spitze heranzubringen, zumal mit Peter Caninenberg das größte MSC-Talent seit Fredi Gerdes seine Karriere startete. Seit 1968 gehörte man der Staffel Ost der damals gegründeten Süddeutschen Oberliga an und nun konnte man herangehen, nach Höherem, d.h. nach der Bundesliga zu greifen. Die war im Herbst 1969 gegründet worden, aus Bayern war Rot-Weiß dabei, das sich in drei Stechen gegen Wacker durchgesetzt hatte, der MSC hatte damals als Dritter diese Qualifikation knapp verfehlt. Rot-Weiß stieg nach zwei wenig erfolgreichen Jahren wieder ab, später schaffte Wacker noch einmal den Sprung, mußte das Oberhaus aber ebenfalls nach einem Jahr wieder verlassen.

1. Herren mit Coach Andi Heinz

1972 war es für den MSC erstmals soweit, als Erster der Ostgruppe nahm man an den Aufstiegsspielen zur Bundesliga teil, nach dem letzten Spiel war man, punktgleich mit TEC Darmstadt, um ein lächerliches Törchen Zweiter und der erste Anlauf war gescheitert. In diesem Jahr war das zuverkraften, stand doch die Olympiade bevor, in die der MSC auf vielfache Weise eingebunden war.

1972 bis 1996

Waren wir 1972 noch gescheitert, so bot sich bereits zwei Jahre später wieder die Aufstiegschance in die Bundesliga. Nach zwei Siegen gegen Neukölln und Kaiserslautern traten wir am 30.06.74 auf einem Fußballplatz in Limburg gegen den Limburger HC an. In unseren Reihen fehlte erstmals Horst Wein, der zum 1. Mai seinen neuen Job in Barcelona antreten mußte. Nach Ablauf der 70 Minuten stand es noch 1:1, was gereicht hätte. Eine (unberechtigte) Ecke in der Nachspielzeit machte unsere Hoffnungen ein weiteres mal zunichte. Mit einer vierwöchigen Reise durch Kanada, die für Damen und Herren auf den Stationen Montreal, Toronto, Calgary, Banff , Vancouver und Vancouver-Island unvergessliche Erlebnisse brachte, mußten wir uns trösten. Das Ziel Bundesliga wurde aber nie aus den Augen verloren. 1975 gingen wir als Zweite in der Ostgruppe leer aus, ein Jahr später waren wir als Vorletzter froh, nicht abgestiegen zu sein, aber 1977 war es dann wieder so weit. Aller guten Dinge sind drei dachten wir, diesmal waren es aber aller schlechten Dinge und so scheiterten wir nach Niederlagen gegen Dürkheim und Höchst ein drittesmal. Auch diesmal mußte eine Traumreise trösten. Diesmal nur mit einem Herrenteam ging es auf große Südostasienfahrt mit Spielen in Manila, Hongkong, Singapore, Java und Bangkok mit einer Erholungswoche auf Bali dazwischen. Daß Hänschen Fleitmann immer und Rotkraut Rehm teilweise dabei waren, versteht sich von selbst.

Bundesliga-Aufstieg 1978

1978 war es dann endlich so weit. Mit dem Rekordergebnis von 26:2 Punkten waren wir mit Riesenvorsprung abermals Erster der Gruppe Ost. Nach einem Sieg in Berlin gegen die Wespen sowie einem Unentschieden in Dürkheim kam es zur Entscheidung auf eigenem Platz gegen Frankfurt 80, das mit zwei Siegen anreiste. Niemand wird die Wasserschlacht vergessen, in der Dirk Michel drei seiner gefürchteten Strafecken versenkte, denen die Frankfurter nichts entgegenzusetzen hatten.

Nun war er endlich geschafft, der so lange und vehement angestrebte Aufstieg zur Elite der 16 besten deutschen Mannschaften. Die Namen der Erfolgreichen verdienen festgehalten zu werden: Franz Schweisz, Norbert Clement, John Giblin, Dr. Dirk Michel, Michael Schmidt, Peter Caninenberg, Fredi Horsch, Bubu Schumann, Hubsi Steffen, Klausi Stricker, Bernd Döllein, Hanni Zehle und Rainer Keßler. Betreuer war, wie heute noch, Jürgen Benninghoff. Verstärkt wurde die Freude noch, weil eine Woche zuvor auch die Damen mit vier Siegen in der Aufstiegsrunde die Süddeutsche Oberliga erreicht hatten. Natürlich hätte der Club ganz aus eigener Kraft beide Ziele nicht erreicht. Der Name und Ruf des MSC und das ständige Leistungsstreben hatten aber laufend für den Zugang leistungsstarker und motivierter Spielerinnen und Spieler geführt, von denen ich nur die Weltklassespielerin und vielfache Nationalspielerin Birgit Hahn erwähne.

In der Halle sollte es im gleichen Stil weitergehen. Bereits im Winter davor war man auf groteske Weise in der Aufstiegsrunde gescheitert, weil auf der Fahrt nach Dürkheim 80 cm Neuschnee fielen und nur ein Auto mit vier Spielern rechtzeitig ankam. Diese Vier ohne Torwart mußten trotz aller Proteste gegen den DHC Düsseldorf anfangen, führten zum Gaudium des Publikums bei Halbzeit mit 7:3 und gingen am Ende mit den zwischenzeitlich angekommenen Steifgefrorenen 10:13 unter, womit die Aufstiegsrunde natürlich gelaufen war. Im kommenden Hallenwinter holten sich die Herren wieder überlegen den Sieg in der Oberliga Süd und starteten mit bester Hoffnung nach Dürkheim zur Aufstiegsrunde. Ein 12:14 gegen die Dürkheimer bedeutete aber Rang 2 und damit das Scheitern. Die erste Feldsaison in der Bundesliga beschlossen die Herren mit einem guten Mittelplatz, die Damen wurden gleich Gruppendritter der neuen Liga. Wichtig im Jahr 1979 war jedoch der Beschluß, auf dem Clubgelände einen großen Hallenkomplex mit zwei Tennisplätzen, drei Squashboxen sowie einer Hockeyhalle zu errichten. Möglich war dies geworden, weil der Club südlich des bisherigen Geländes ein großes Terrain dazubekommen hatte, das neben der Halle auch den Bau von fünf weiteren Tennisplätzen sowie eines Hockey-Rasenstadions erlaubte. Bemerkenswert ist in diesem Jahr ferner eine Schwabing-Reise nach USA mit Spielen in Californien und New York. Der zweimal so knapp verfehlte Hallen-Bundesliga-Aufstieg glückte dann 1980 beim drittenmal problemlos.

1980 konnte man dann nach schwierigsten Finanzierungsverhandlungen mit dem Hallenbau beginnen. 2.8 Millionen Mark und keinen Pfennig mehr durfte sie kosten. Daß damit nicht alle Wünsche hinsichtlich der Ausstattung erfüllt werden konnten, war von vornherein klar. Immerhin war der MSC damit einer der wenigen Clubs, die über eine Halle im Eigenbesitz verfügten und die erste Bundesligasaison konnte im eigenen Haus stattfinden. Mit den "Wolpertinger-Turnieren", um die sich Werner Horsch verdient machte, gab es in den kommenden Jahren glanzvolle Treffen der deutschen Elitemannschaften der Damen und Herren als Vorbereitung auf die BL-Saison. Daneben war die Halle unabdingbare Voraussetzung für die kommenden Erfolge unserer Jugendarbeit, von der noch zu sprechen sein wird.

Bei den Damen wurde im Herbst 1980 ebenfalls mit der Bundesliga begonnen. Unsere Mädchen waren aufgrund ihrer letzten Plazierung in der Süd-Oberliga in der Startbesetzung dabei und belegten in der ersten Saison einen schönen vierten Platz. In der Halle dümpelten sie immer noch in den Niederungen der Bayerischen Oberliga. Erst im Februar 1983 konnten sie erstmals Meister in Bayern werden und danach sich für die Regionalliga Süd qualifizieren.

Für die Geschehnisse der Folgejahre darf ich mich kürzer fassen. Der Club stand mit seinen Anlagen auf dem heute noch bestehenden Niveau, die Herren gehörten in Feld und Halle der Bundesliga an und auch die Damen hatten die Bundesliga bzw. in der Halle die Regionalliga erreicht. Ich werde also nur noch auf wichtige Ereignisse eingehen.

Mit Mittelplätzen in der Bundesliga bewegten sich die Herren in den beiden nächsten Jahren auf gewohntem Niveau. 1983 jedoch war alles anders. Sepp Müller wurde Trainer, führte ein neues Raumdeckungssystem ein, mit dem kein Gegner zurechtkam, mit Nationalspieler Tommy Reck und Bernd Roth waren starke Leute dazugekommen und so war man plötzlich, drei Spiele vor Saisonschluß mit fünf Punkten Vorsprung Erster und Halbfinalteilnehmer. Die beiden letzten Spiele gingen auswärts verloren, ebenso das Halbfinale auf eigenem Platz vor 1.100 Zuschauern mit 1:2 gegen Schwarz-Weiß Köln und schon war der Höhenflug wieder beendet. Herausragend war auch das Jahr 1984 mit den beiden olympischen Silbermedaillen für Birgit Hahn und Tommy Reck, wobei Birgit das medaillenbringende Tor zum 1:1 gegen die USA gelang.

Mit Plazierungen zwischen Platz 4 und 6 ging es bei den Herren bis 1991 unverändert weiter. In der Halle dagegen war es immer eng. Nach mehrjährigen Balanceakten auf dem 7. Tabellenplatz erwischte es uns 1987 mit dem Abstieg. Hänschen Fleitmann, unser langjähriger Präsident, Freund und Gönner mußte ihn nicht mehr erleben. Eine Woche zuvor wurde er, 81 Jahre alt, aus unserer Mitte gerissen. Michi Nahr trat ohne Gegenstimme seine Nachfolge an.

Der Schönheitsfleck des Abstiegs wurde durch den glanzvollen Wiederaufstieg bereits im kommenden Jahr korrigiert. Bei den Damen hielt man sich vier Jahre in der Bundesliga mit Mittelplätzen, dann, 1985, nach dem Weggang von Birgit Hahn nach Paris war der Abstieg in die Regionalliga unvermeidlich. Dort konnten sich die Damen weitere vier Jahre tummeln, dann ging es 1989 nochmals eine Stufe tiefer in die Bayernliga. Einem Abstieg in der Halle aus der Regionalliga 1986 folgte ein Jahr darauf nochmals ein Wiederaufstieg, bis es auch hier 1990 endgültig in die Bayernliga ging, die auch heute noch das Betätigungsfeld unserer Damen in Feld und Halle ist.

Glanzlichter setzten 1988 nochmals Tommy Reck und Christine Ferneck, die in Los Angeles olympisches Silber holten. Wichtiger waren jedoch die sich in diesen Jahren konkretisierenden Pläne für den Bau eines Kunstrasenplatzes. Nachdem wir bei der Errichtung des Leistungszentrums in München einige Jahre zuvor ungefragt übergangen wurden, waren wir nun fast der letzte BL-Club, der sich auf Naturrasen bewegte. Zwei Jahre war Präsident Michi Nahr unermüdlich tätig, bis es endlich so weit war . Pünktlich zum Auftakt der Bundesliga-Saison 1992 wurde das mit einem Zuschauerwall versehene Stadion eingeweiht, gleichzeitig tauchte unser Großtalent Björn Michel erstmals in der Herrenmannschaft auf, ebenso Peter Streich. Die Saison lief glänzend, Klausi Holzmüller wurde mit 17 Treffern BL-Torschützenkönig und am Ende war der MSC mit 18:10 Punkten Zweiter und erneut Halbfinalist. Leider ging auch dieses Spiel in Mülheim gegen die renommierten Uhlenhorster mit 1:2 verloren.

Nach zwei schwächeren Jahren, Tommy Reck hatte nach zehn Jahren den Club verlassen, wurde es 1995 nochmals interessant, als man als Vierter Teilnehmer der inzwischen eingeführten Play-Off-Spiele war. Erneut war Uhlenhorst in Mülheim der Gegner und mit 1:5 zogen wir auch diesmal den kürzeren. In der Halle wurde die wiedererlangte Bundesliga bis heute erhalten, wenngleich hier der von 1993 bis 1997 konsequent belegte siebte und vorletzte Platz die nervenaufreibenden Nichtabstiegskämpfe erahnen läßt.

Schon ein Jahr später, 1996 trat es dann doch ein. Peter Streich und Frank Gemmrig verließen neben einigen anderen bewährten Kräften den Club. Nachdem wir eigentlich schon gesichert schienen, sorgten einige unerwartete Ergebnisse (Auswärtssiege der Letzten bei den Ersten) und eigenes Pech für eine Wende zum Bösen und am Ende waren wir nach 18 Jahren erstmals aus der Feld-Bundesliga abgestiegen.

Was bei anderen Clubs häufig zu Auflösungserscheinungen und zum Rückfall in die Anonymität führte, beim MSC war es ganz anders. Jupp Nubbemeier war Hockeyvorstand geworden und tat bisher ungenutzte Finanzquellen auf, Björn Michel hörte sich unter seinen Nationalmannschaftskollegen um, ob zufällig jemand in München studieren wollte und siehe da, zu Saisonbeginn 1997 konnten wir mit Henning Hellwig und Martin Eimer zwei bewährte und auch im Wesen bestens zu uns passende Nationalspieler in unseren Reihen begrüßen. Mit dieser Verstärkung und neben Björn Michel einigen weiteren, aus eigenem Stall stammenden Youngstern war es unter der Führung von Trainer Klausi Holzmüller kein Problem, überlegen den ersten Platz der zweiten Bundesliga und damit den sofortigen Wiederaufstieg zu erreichen.

Dem ersten Streich folgte sogleich der Zweite. Zum Hallenbeginn war "Spieler des Jahres" Christoph Eimer zu uns gestoßen, dazu einige weitere spielstarke Leute und so war, jedem ist es noch frisch in Erinnerung, die Endrundenteilnahme in Duisburg der Lohn. Der Halbfinalsieg gegen Krefeld und die ehrenvolle Niederlage nach großem Kampf im Endspiel gegen Dürkheim waren zweifellos ein Höhepunkt der Clubgeschichte.

Eine kurze Rückschau auf das Damenhockey soll diesen Rückblick abschließen. Während in der Halle seit 1991 stets gute Plätze, aber kein Spitzenplatz Lohn der Anstrengungen waren, wurde im Feld immerhin 1993, 1995, und 1997 die Bayerische Meisterschaft erreicht. In der Aufstiegsrunde war aber dann immer das Ende der Fahnenstange erreicht und so bleibt nur die Hoffnung auf eine neue Birgit Hahn oder wie immer sie heißen mag.

Von einem in den letzten Jahrzehnten immer bedeutungsvoller werdenden Teil der Clubarbeit des MSC war bisher überhaupt noch nicht die Rede, dem Jugendhockey. Der Club hatte bis 1975 zwischendurch immer wieder gute Jugendmannschaften mit Spielern wie Bubu Schumann, Peter Caninenberg und Fredi Horsch, um die prominentesten zu nennen. Sie allein reichten jedoch nicht aus, um größere Erfolge zu erringen, weil sie halt meistens Einzelkämpfer in unausgeglichen besetzten Mannschaften waren und so hatte der MSC als einer der größten bayerischen Hockeyclubs bis zum Jahr 1982 noch keine einzige Bayerische Jugendmeisterschaft gewonnen. Als Vater eines knapp sechsjährigen Knaben entschloß ich mich 1975, die Sache in die Hand zu nehmen. Es galt Eltern und Kinder zunächst aus dem Clubkreis zu aktivieren, danach größere Werbeaktionen zu starten, sich um geeignete Trainer zu kümmern und den Kreis ständig zu erweitern. Der Ausgang ist bekannt, die Sache wuchs und gedieh, entwickelte Eigendynamik und am Ende meiner Tätigkeit im Jahr 1992 zierten 46 blaue Wimpel das Clubhaus, waren einige Süddeutsche Meisterschaften gewonnen, zahlreiche deutsche Endspielteilnahmen erreicht und als Höhepunkt zwei Deutsche Hallenmeisterschaften der Jugend A gewonnen. Eine große Zahl von Spielern rückte in die Kader des DHB vor, absolvierte Jugendländerspiele und rückte in die Spielerkreise der ersten MSC-Mannschaften auf, allen voran natürlich Björn Michel. Gut ein Dutzend blauer Wimpel ist seither noch dazu gekommen, mit seiner Zahl an Jugendspielern gehört der MSC zum 200er Club des DHB.

Eng verbunden mit dem Jugendhockey ist eine weitere Entwicklung im MSC, das Elternhockey. Ende der achziger Jahre hatte diese Bewegung in ganz Deutschland rasch um sich gegriffen, in München waren wir die ersten. Sinn der Sache war, Eltern hockeyspielender Kinder zu gewinnen, die das Jugendhockey in jeder Form unterstützten, sei es als Betreuer, Fahrer, Schiedsrichter und Ähnlichem und daneben noch als Freizeitsport sich an einem Training zu beteiligen und Spiele gegen Gleichgesinnte auszutragen. Bei uns erwies sich diese Aktion als Volltreffer. Es existieren zwei Mixed-Mannschaften, seit eh und je von Waldi Roth trainiert, die Jahr für Jahr zahlreiche Turniere besuchen und auch ausrichten und die sogar in den Jahren 1995 und 1997 ausgedehnte Reisen nach Südamerika und Südafrika unternahmen.

Nachrede

Nun ist also alles gesagt, und dennoch wäre noch so viel zu erzählen gewesen. Von den außergewöhnlichen Menschen, die ich im Club kennenlernte und die sein Wesen prägten wie Wackerl Überreiter, Hans Nahr, Dr. Walter Hueck, Pit Peterson, Tante Anni Wilde und Rotkraut Rehm, um nur einige zu erwähnen, von den zahllosen Besuchen ausländischer Mannschaften aus aller Welt, die es hier schön fanden und den Ruf des MSC in die Welt trugen, wie die Hotspurs aus Perth und zahllose Teams aus Südafrika. Von den Jubiläumsturnieren mit Festzelten zum 70. und 90. Clubjubiläum und den großen Schwabingturnieren wäre genauso zu erzählen wie von engagierten Trainern wie Bubu Schumann und Klausi Holzmüller. Erzählen könnte man stundenlang von den vielen Reisen, die uns in alle Erdteile trugen und unseren Blick weiteten wie die Australienreise von Schwabing 1987 oder die Reise der ersten Herren und A-Jugend 1991 nach Chile und Argentinien. Es wäre zu erzählen von den Nationalmannschaftskarrieren unserer Leute mit allen Höhen und Tiefen, von den Weltmeisterschaften, an denen unsere Spieler teilnahmen und die sie zum Teil gewannen, zu erzählen aber auch von den unendlich vielen Abenden im Biergarten, von Bierstaffeln, harten Würfelrunden und Leichenzügen an der Theke und von den unvergesslichen "Sunday-Times" der achziger Jahre, als nach den Bundesligaspielen der Damen und Herren zusammen bei geschlossenen Vorhängen und überlauter Musik gefeiert wurde, bis der graue Montag heraufdämmerte.

Einhundert Jahre ist der MSC nun alt und trotzdem jung wie selten zuvor. Ich wünsche ihm, daß er immer genügend Leute findet, die ihn in seiner unverwechselbaren Art erhalten und die ihm, so wie ich es getan habe, etwas von dem zurückgeben, was er ihnen in ihrer Jugendzeit an einmaligen Erlebnissen geboten hat.

Karli Roth (†)


Festschrift „111 Jahre MSC“

Pfingsten 2007 feierte der MSC sein 111jähriges Bestehen.

PDF-Download: Festschrift


Weitere Informationen

Auf der Seite Sportliche Erfolge ist eine Chronologie der sportlichen Highlights des MSC verfügbar. In der Hockey-Galerie findet Ihr noch zahlreiche Fotos aus der Clubgeschichte!

Peter Hahn
H-Hotels Gruppe
SIDLEY
VBLP
Adidas Hockey