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Von der Gründung bis 1920

Im Jahr 1896 war es, als eine Gruppe ausländischer Studenten in, man darf annehmen, heiterer Laune beisammen saß und beschloß, einen Sportclub zu gründen. Wie eine Flutwelle zog zu dieser Zeit, von England kommend, die neue Sportbewegung über den alten Kontinent und bot eine begeistert aufgenommene Alternative zum steifen und fast paramilitärischen Turnen nach Jahn und Guthsmuth. Engländer, Franzosen, Russen, Skandinavier, Amerikaner, Brasilianer und Südafrikaner waren darunter und so wählte man den Namen "Internationaler Sportclub".

Mit Boxen fing man an, doch in den nächsten Jahren, als mehr und mehr Einheimische sich der neuen Bewegung anschlossen, gab es kaum eine Sportart, die nicht ausprobiert wurde. Im Radpolo erwarb sich der ISC bald internationalen Ruhm, Tennis, Fußball und ab 1898 auch Hockey kamen dazu und die erste verbürgte Hockeybegegnung fand zu Ostern 1898 in Ermangelung nationaler Gegner in Wien gegen den WAC statt. Richard Blauel, eines der Gründungsmitglieder, berichtete darüber in der Festschrift zum Jubiläumsturnier 1949.

Schon 1899 wurde der Clubname in "Münchener Sportclub" geändert. Nachdem man zuerst auf einem Gelände an der Karl-Theodor-Straße Sport trieb, wurde 1906 das große Areal an der Schwabinger Landstraße von der Stadt gepachtet, das bis 1963 die Heimstatt des Clubs war. Zur gleichen Zeit wurde für die Verwaltung und als Clubräume die gesamte zweite Etage des Hotels Vier Jahreszeiten angemietet, die für diese Zwecke eigens umgebaut wurde. Der Club wuchs und gedieh rasch, zahlreiche neue Abteilungen gründeten sich, auf dem Wintersportgebiet z.B. Ski, Bob und Eishockey, kleinere Münchner Sportclubs schlossen sich als Abteilungen dem inzwischen auch offensichtlich finanzstarken MSC an. Von glanzvollen Sommerfesten kann man lesen, von internationalen Tennisturnieren und von Hockeyreisen zu deutschen und ausländischen Freunden. Mit bis zu 22 Abteilungen war man zeitweise Europas größte Sportvereinigung und nicht ohne Stolz ist vermerkt, daß dem Hofe nahestehende Kreise zu den Mitgliedern zählten. In diese Zeit fällt auch der Bau der Tribüne, die bis 1960 stand, 200 Personen Platz bot und neben Umkleideräumen auch eine Wohnung für den "Diener" enthielt.

Ich wollte ja Geschichten erzählen, also hier sind sie: Im Frühling 1906 war es, als die Verhandlungen mit dem FC Bayern, der sich einige Jahre davor gegründet hatte, zum Abschluß kamen. Die heute schier omnipotenten Bayern schlossen sich als selbständige Fußballabteilung dem MSC an, einzige Bedingung: sie mußten ihre schwarzen Hosen gegen die weinroten des MSC eintauschen. Als MSC-Abteilung wurden sie 1909 erstmals bayerischer Meister, die Ehe hielt bis zum Jahr 1919 (Geschichte der Fusion des MSC und Bayern). Vor einigen Jahrzehnten lernte ich durch Zufall Max Fürst kennen, einen zu der Zeit bereits hochbetagten Architekten und Maler, der vor dem ersten Krieg linker Läufer bei den Bayern spielte und mir Bilder zeigte, auf denen die Bayern mit unserem bis heute unveränderten MSC-Zeichen auf der Brust antraten. Er erzählte mir auch, daß damals nur Abiturienten in den Club aufgenommen wurden. Weinrot aber blieb auch künftig die Clubfarbe der Bayern.

Foto: Bayern-Fußballteam mit MSC-Logo auf der Brust

Nicht fehlen darf hier natürlich die Geschichte von Hanns Braun, der als Leichtathlet der populärste deutsche Sportler der Jahre vor 1914 war, vergleichbar mit Leuten wie Boris Becker, Schumacher oder Baumann in unseren Tagen. Hanns Braun, geboren 1886 in München als Sohn des bekannten Schlachtenmalers Louis Braun, kam als 16jähriger zum MSC, um Hockey zu spielen. Bald erkannte man sein läuferisches Talent und ab 1904 widmete er sich der Leichtathletik und lief für den MSC, der damals offiziell noch gar keine Leichtathletikabteilung hatte. Das Hockeyspiel gab er deshalb aber nicht auf. Seine Erfolge im kommenden Jahrzehnt sind sagenhaft. Er stellte als Mittelstreckler einen Weltrekord (1000 m in 2:26.0 1909) und 13 deutsche Rekorde auf, wurde Dritter über 800 bei der Londoner Olympiade 1908 und Zweiter über 400 m bei den olympischen Spielen in Stockholm. Legendär ist sein Lauf über 800 m in Stockholm als er gegen 6 US-Amerikaner lief, die ihn taktisch bis zum Ziel einsperrten, sodaß er am Ende Vierter wurde. Bei mehreren Revanchen nach den Spielen schlug er seine damaligen Bezwinger regelmäßig. Nach Stockholm zog sich Braun mehr und mehr zurück und widmete sich seinem Beruf als akademischer Bildhauer. In den letzten Kriegstagen im Oktober 1918 ist er, dessen Eigenschaften mit Kameradschaft, Bescheidenheit und heiterstem Wesen beschrieben wurden, als Flieger in Frankreich gefallen. Willi "Baby" Langhorst, der erste Hockeynationalspieler des MSC war ihm bereits 1914 im Soldatentod vorausgegangen. In München blieb Hanns Braun unvergessen. Das von der Stadt ausgerichtete Hanns-Braun-Sportfest der Leichtathletik, bei dem im Laufe der Jahrzehnte viele Weltrekorde aufgestellt wurden, fiel erst Anfang der siebziger Jahre der zunehmenden Kommerzialisierung des Sports zum Opfer. Der MSC errichtete Ende der Fünfziger auf dem Clubgelände ein von Hans Rehm geschaffenes Hanns-Braun-Denkmal, das Karl Ritter von Halt, damals deutscher NOK-Präsident und Mannschaftskamerad von Hanns Braun, einweihte. Es ist beim Umzug 1963 untergegangen.

Allgemein bekannt dürfte die Story sein, wie es zum Schlachtruf des MSC "Haizuru" kam. Der Vollständigkeit halber erzähle ich sie hier kurz noch einmal. 1908 war es, als Sir John Wilkinson auf den Spuren Livingstones durch Afrika reiste. Nach seiner Rückkehr befand sich unter seinen Souvenirs eine grell bemalte, als Kopf ausgestaltete Kokosnuss, die einem obskuren Stamm im Inneren des schwarzen Kontinents als Götze gedient hatte. Wie sie in das Gepäck des Globetrotters gelangte, ist nicht überliefert. Sir John stiftete als Hockeyenthusiast die Trophäe seinem Club, den "Vagabonds" in Hastings, die es als Maskotte benutzten und von Stund an kein Spiel mehr verloren, zumindestens solange nicht, bis der MSC 1913 nach Hastings kam und die Vagabonds schlug. Als faire Sportsleute übergaben sie Ernst Röchling, aus der Familie der Völklinger Stahltycoons stammend und damals MSC-Kapitän, den Haizuru. Zum für 1915 geplanten Rückspiel kam es dann aus bekannten Gründen nicht mehr. Daß das Ganze keine fromme Erfindung ist, beweist der erhalten gebliebene Auszug mit Bild aus einer englischen Sportzeitung. Was aber bedeutet nun Haizuru? Ich wußte es nicht, bis ich 1974 anläßlich einer MSC-Hockeyreise durch Kanada in Calgary Fred de Wiel traf, einen sympathischen Deutsch-Schweden-Franzosen, der lange Jahre in Kenia gelebt hatte. Er klärte mich auf, daß Haizuru der Suaheli-Sprache entstammte, die er fließend beherrschte und soviel wie "macht nichts, is eh wurscht, Nitschewo" bedeutet. Besser könnte man den generellen MSC-Charakter kaum beschreiben.

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